Während auf dem Brüsseler Heysel-Gelände mehr als 90.000 Menschen ins neue Jahr feierten, mussten Polizei und Feuerwehr in der Hauptstadt und in Antwerpen zahlreiche Zwischenfälle bewältigen. Einsatzkräfte wurden teils mit Feuerwerk beschossen, es gab Brandstiftungen, Sachschäden und Festnahmen – und in Brüssel lief die Nacht zusätzlich unter Streikbedingungen bei der Feuerwehr.
Große Party auf dem Heysel-Gelände: 60.000 beim Atomium, 30.000 beim Festival
In Brüssel haben mehr als 90.000 Menschen den Jahreswechsel auf dem Heysel-Gelände begangen. Nach Angaben der Stadt versammelten sich rund 60.000 Zuschauer am Atomium für das traditionelle Silvesterprogramm.
Der Abend startete bereits um 21 Uhr mit einem DJ-Set, kurz vor Mitternacht wurde das Atomium mit einer Lasershow in Szene gesetzt. Im Anschluss folgte das Feuerwerk, das etwa 15 Minuten dauerte. Nur wenige hundert Meter weiter feierten in Brussels Expo laut Veranstaltern 30.000 Besucher beim FCKNYE-Festival. Nach Mitternacht kam es rund um das Heysel-Plateau zeitweise zu Gedränge beim Verlassen des Geländes. Parallel zu den Feiern meldete die Polizei in der Hauptstadt eine angespannte Sicherheitslage. In einem Lagebericht ist von mehreren schweren Zwischenfällen die Rede: Polizei und andere Hilfeleistungsdienste seien bei Einsätzen mehrfach mit Feuerwerksprojektilen ins Visier genommen worden. Zudem wurden mehrere Trams und Busse der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft STIB sowie städtische Infrastruktur beschädigt. Die Polizei beschlagnahmte außerdem eine größere Menge Feuerwerk. Zwischen 18 Uhr und Mitternacht wurden laut Polizei 63 Personen administrativ festgenommen. Bei einer aus dem Ruder gelaufenen Verkehrskontrolle seien zwei Beamte verletzt worden. In Molenbeek spitzte sich die Lage im Bereich der Metrostation Étangs Noirs zu – dort setzte die Polizei einen Wasserwerfer ein, um Randalierer zurückzudrängen.
Brüsseler Feuerwehr: „Erhöhte Aktivität“ – Nacht unter Streikbedingungen
Die Brüsseler Feuerwehr zog am Morgen eine Endbilanz und sprach von erhöhter Aktivität während der gesamten Nacht. Ein Großteil der Einsätze habe mit Brandherden im Freien und Autobränden zu tun gehabt, „oft in Beziehung zu Feuerwerk“. Daneben habe es einige kleinere Wohnungsbrände gegeben, die rasch unter Kontrolle gebracht worden seien – ohne Verletzte. Besonders: In Brüssel lief die Silvesternacht unter Streikbedingungen. Nach Angaben der Feuerwehr waren nur rund 83 Prozent des vorgesehenen Wachpersonals im Dienst. Unterstützung kam u. a. vom Roten Kreuz, der medizinischen Komponente der belgischen Armee sowie aus anderen Hilfeleistungszonen.
Antwerpen: über 100 Festnahmen – Einsatzfahrzeuge attackiert, Kind verletzt
Auch in Antwerpen verlief die Nacht nicht überall friedlich. Die Polizei meldete 104 Festnahmen, der große Teil der Betroffenen soll unter 20 Jahre alt gewesen sein. Mehrere Einsatzfahrzeuge – darunter Polizei-, Feuerwehr- und Rettungswagen – seien beworfen oder mit Feuerwerk beschossen worden. Es gab beschädigte Fahrzeuge; in einem Fall wurde sogar ein Feuerlöscher von einem Dach geworfen. Zudem wurde in Antwerpen ein 12-jähriges Kind durch Feuerwerk schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Laut Polizei besteht keine Lebensgefahr.

Die größten öffentlichen Partys unter freiem Himmel im Nachbarland Deutschland gab es diesmal am Brandenburger Tor in Berlin, in Hamburg am Hafen und in der Münchner Innenstadt. In Bielefeld kamen zwei 18-Jährige bei Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik ums Leben. In der Nähe von Rostock verlor ein 23-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. In Leipzig wurde ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen in Deutschland nicht zugelassenen Silvesterböller zu entzünden, schwer an der Hand verletzt. In den Niederlanden eskalierte die Lage zu Silvester. Im Nachbarland waren Böller und Raketen zu diesem Jahreswechsel zum letzten Mal erlaubt gewesen. In etlichen Städten musste die Polizei wegen Gewalt sowie Unglücken und Vorfällen mit Feuerwerk ausrücken. In der Großstadt Breda wurden Beamte mit Molotowcocktails und Gehwegplatten beworfen. In Amsterdam stand eine Kirche in Brand. In der Hauptstadt Berlin feierten Tausende Menschen nahe dem Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni gut gelaunt bei der offiziellen Freiluftparty der Hauptstadt. 25.000 Tickets hatten zur Verfügung gestanden. Bei einer großen Silvesterparty auf der Ludwigstraße in München feierten nach Veranstalterangaben um die 10.000 Menschen in das Jahr 2026 hinein. Es sei alles ganz friedlich gewesen, sagte Katrin Strauch von der Veranstaltungsagentur Gral. „Es gab keine Zwischenfälle, überhaupt nichts.“
26 Stunden dauert es, bis die Welt in das neue Jahr gerutscht ist.
Insgesamt 26 Stunden dauert es, bis der ganze Globus in das neue Jahr gerutscht ist. Amerikanisch-Samoa, das nur 220 Kilometer östlich von Samoa im Pazifik auf der anderen Seite der internationalen Datumsgrenze liegt, wird der letzte bewohnte Ort der Erde sein, der das neue Jahr begrüßt - zwölf Stunden nach Belgien. Den weltweiten Anfang machte um 11.00 Uhr MEZ das Südsee-Atoll Kiritimati mit seinen rund 7.300 Einwohnern, das zum Inselstaat Kiribati gehört. Es folgten unter anderem Neuseeland und Teile Australiens.

Sydney machte dabei zwei Wochen nach dem tödlichen Anschlag am Bondi Beach deutlich: Die Menschen in der Stadt lassen sich vom Terror nicht einschüchtern. Rund um die ikonische Harbour Bridge und das Opernhaus wurde um 14.00 Uhr belgischer Zeit wie gewohnt ein gigantisches Feuerwerk gezündet - unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die traditionellen Feiern am Bondi Beach wurden hingegen abgesagt. An dem weltberühmten Strand hatten am 14. Dezember zwei Attentäter - ein Vater und sein Sohn - beim jüdischen Lichterfest Chanukka auf eine Menschenmenge geschossen. 15 Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Vor Mitternacht wurde der Opfer in einer bewegenden Schweigeminute gedacht. (belga/dpa/sc)

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