Erzbischof Terlinden ruft zu mehr Nähe und Solidarität an Weihnachten auf

<p>Erzbischof Luc Terlinden</p>
Erzbischof Luc Terlinden | Foto: belga

von Raza Tafilaj

Während in den Wochen vor Weihnachten Häuser und Straßen festlich geschmückt werden, erinnere die biblische Erzählung daran, dass Jesus unter bescheidensten Umständen geboren wurde, sagte Terlinden. Maria habe ihren Sohn Jesus in einer Futterkrippe zur Welt gebracht – ein Symbol für Armut und Demut. „Die Niedrigkeit der Krippe kündigt die Erniedrigung des Kreuzes an“, so der Erzbischof wörtlich.

Krippe in den Straßen von Brüssel

Mit Blick auf die Realität in Brüssel zog Terlinden eine klare Parallele zur Gegenwart.

Er sagte: „Die Krippe ist heute in unseren Straßen und in unseren Bahnhöfen, hier in Brüssel.“

Damit meinte er die Situation vieler Menschen, die weit entfernt vom weihnachtlichen Glanz unter schwierigen Bedingungen lebten.

Nach Terlinden ist es gerade diesen Menschen, denen Jesus in besonderer Weise begegnet. Er zitierte das Evangelium und betonte: „Für sie in erster Linie wird Jesus in dieser Nacht von Weihnachten geboren.“

Damit verwies er auf die Bildsprache, nach der Jesus sich mit den Schwächsten identifiziert – den Hungrigen, Fremden, Kranken, Armen.

Konkrete Fragen an Gesellschaft und Einzelne

In seiner Ansprache forderte Terlinden dazu auf, darüber nachzudenken, wie wir selbst mit Menschen in Not umgehen. Er griff dabei eine Frage auf, die ein Mitbruder ihm gestellt habe und die er selbst als Prüfung des eigenen Gewissens weitergab: „Zählst du einen Armen zu deinen Freunden?“ Und mit Blick auf das Weihnachtsfest selbst fragte er: „Wirst du für einen Armen einen Platz an deinem Tisch vorsehen? Wirst du Zeit mit ihm verbringen?“

Es gehe nicht nur um abstrakte Prinzipien, sondern um konkrete Aufmerksamkeit und Fürsorge im Alltag, so der Erzbischof.

Appell auch an politisch Verantwortliche

Ohne politische Akteure an den Pranger zu stellen, richtete Terlinden seine Worte auch an jene, die in der Gesellschaft Verantwortung tragen. Er erinnerte an die Werte, auf denen unsere Demokratie beruht – Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Brüderlichkeit und Wohlwollen – und betonte, dass gerade jene Werte uns verpflichteten, auf das Schicksal der am meisten Gefährdeten zu achten.

Nach seiner Darstellung gehe es letztlich um die Menschlichkeit und gleiche Würde aller Menschen: eine Verpflichtung, die gerade in einer Zeit großer Herausforderungen und Unsicherheiten nicht übersehen werden dürfe.

Hoffnung aus Demut

Trotz der deutlichen Mahnung war die Botschaft des Erzbischofs von Hoffnung getragen. Die Krippe in Betlehem sei ein Zeichen dafür, dass Gott selbst in Demut und Armut Mensch geworden sei. Diese Botschaft gebe Kraft und Motivation, sich für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen – eine Welt, die gerade an Weihnachten im Blick behalten werden müsse.

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