Es bleibt wahrscheinlich weiter ein (politisches) Streitthema. In der Tat driften die Standpunkte zur Reduzierung der Registrierungsgebühren beim Kauf einer (Erst)immobilie teils recht weit auseinander. So prangerte jüngst im Wallonischen Parlament in Namur Christie Morreale einmal mehr die mit reichlich Pomp lancierte Initiative der Regierung aus Mouvement Réformateur (MR) und Les Engagés nicht nur als „nutzlos“, sondern gar als „kontraproduktiv“ an.
Eine Reform, über deren Sinn und Zweck wohl erst eine Auswertung über mehrere Jahre verbindlich Auskunft geben kann. Denn auch in Fachkreisen bleibt (zumindest aktuell) die Frage unbeantwortet, ob respektive wem diese durchaus einschneidende steuerliche Minderung von 12,5 auf 3 Prozent tatsächlich nutzt.
Eines lässt sich nicht leugnen: Da zahlreiche potenzielle Interessenten nach Verkündung der Regierungsabsicht ihren anvisierten Kauf vom vergangenen Sommer und/oder Herbst eigener Aussage zufolge kurzerhand auf das laufende Jahr verschoben haben, setzte ab Januar eine ungeahnte preisliche Hausse ein - die schon bald wieder den Vorteil der Gebührenreduzierung „auffressen“ sollte.
Der massive Anstieg der Nachfrage hat(te), so die Diagnose der Fédération des Notaires (FedNot), in der Tat vielfach eine ebenso unerwartete wie ungewohnte „Preistreiberei“ zur Folge.
„Betroffen“ ist - mangels Neubauten quer durch die gesamte Wallonie (vielleicht mit Ausnahme Ostbelgien) - vorrangig Bestandsware, hierunter ein nicht zu unterschätzender Anteil mit (sehr) schlechtem energetischem Zeugnis. Demnach hätten - in froher Erwartung des absehbaren Kaufbooms - manche Verkäufer kurzerhand fünf bis zehn Prozent auf ihr Objekt „draufgeschlagen“.
Letztlich eine einfache Rechnung - aus Sicht der Verkäufer: Verminderter Gebührensatz ist gleich budgetärer Freiraum. Die Folge: Knapp ein Jahr später sind die Preise zwischen Tournai und Verviers in der Summe um stolze dreizehn Prozent gestiegen. Oder im Umkehrschluss: Was die Käufer letztlich aufgrund der politischen Vergünstigung gespart haben, haben die Verkäufer „eingesackt“.
Womit besonders jüngeren Käufer letztlich der gewünschte Zugang zum Markt verbaut blieb. Die Steuerreform mit immerhin einer Vierteilung des vormaligen Satzes ist laut Analyse innerhalb der Branche faktisch verpufft. Oder anders ausgedrückt: Ungeachtet aller positiven politischen Ansätze reguliert sich der Markt letztlich selbst.
Wie gesagt… sind es vor allem schlecht bis sehr schlecht isolierte Häuser aus den sechziger, siebziger und frühen achtziger Jahren, die zuletzt zu merklich überhöhten Preisen veräußert wurden. Weshalb namentlich Embuild die Forderung nach einer „verpflichtenden energetischen Sanierung nach Erwerb“ erhebt, so Direktor Hugues Kempeners mit Verweis auf ähnliche Vorgaben in Flandern und Brüssel. Nur auf solche Weise biete sich auch in der Wallonie die Chance, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.
Eine Forderung, die auch motiviert sein dürfte durch die zuletzt spürbar geschrumpften Investitionen in Sanierung oder Renovierung, belegt ebenfalls durch die stark rückläufigen Genehmigungsanfragen im ersten Halbjahr. Mit einem Minus von rund tausend gegenüber dem Vorjahr auf lediglich 12.632 Dossiers, dem niedrigsten Stand seit dreizehn Jahren.
Federia, der Interessenverbund der Immobilienmakler, sieht die Entwicklung (naturgemäß) weniger kritisch. Sicherlich habe die Konzentration gerade zu Beginn des Jahres eine Preishausse ausgelöst. In der Zwischenzeit aber weise der Trend wieder nach unten. Nach einem Plus bei den Transaktionen von 17,8 Prozent in den ersten drei Monaten fiel die „Verkaufsquote“ Ende Juni auf 13,4 und Ende September auf 12,9 Prozent.
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