„Da das Schreiben für mich ein Lebenskontinuum voller Inspirationen darstellt“, erklärt Georges Heck, entscheide er sich „erst kurz vor der Veröffentlichung für einen dem Gedichtband entsprechenden sinnvollen Titel“. Auch dieser Band reiht sich so in eine Werkgeschichte ein, die im Jahr 2008 mit der ersten Veröffentlichung begann und von Lesungen, Begegnungen und Rückmeldungen geprägt wurde – Erfahrungen, die ihn bis heute begleiten. Was den Kern des Buches ausmacht, beschreibt Georges Heck im Gespräch mit dem GrenzEcho nicht als Konzept, sondern als Haltung. Zuhören, Beobachten und das Zulassen von Stille seien die Basis seiner Gedichte: „Zuhören (Gespräche, Lektüren …), beobachten (Menschen, Natur, Kunst …), Stille fühlen (alleine, mit anderen …) stellen die Grundlagen meiner Gedichte dar.“ Diese Offenheit werde ergänzt durch Humor, Weltverwirrung und menschliche Wärme – nicht als Trost, sondern als Einladung.
Formal sind seine Gedichte kurz, dicht, oft skizzenhaft.
Seine Texte versteht Georges Heck als „herausfordernde Begleitung im Sinne des Fühlens, Denkens und Handelns der Leserinnen und Leser“. Formal sind seine Gedichte kurz, dicht, oft skizzenhaft. Die Balance zwischen Andeutung und Ausformulierung beginne jedoch nicht beim Text, sondern bei ihm als Autor selbst. „Zuerst muss ich selbst die Balance, das Gleichgewicht in meinen Gedanken finden und halten, um zur Ausformulierung zu gelangen“, so Georges Heck. Erst danach öffne sich der Raum für die Leserinnen und Leser: „Der Reiz darin, einzusteigen, sich zur Auseinandersetzung hin und her zu bewegen, um schließlich zu seinen eigenen Vorstellungen vorzupreschen – eine Reise zu sich selbst.“

Auffällig ist die Zweisprachigkeit des Bandes: Die Gedichte erscheinen auf Deutsch und Französisch. Diese Entscheidung ist für Georges Heck biografisch gewachsen. Er ist in Nidrum geboren und in einem familiären Umfeld mit Café-Restaurant-Hotelbetrieb aufgewachsen. Schließlich wuchs er von klein auf mit Deutsch und Französisch auf. Schulische Stationen in Eupen, Carlsbourg und Mons vertieften diese Zweisprachigkeit. Die Sprachwahl selbst erfolgt jedoch intuitiv: „Wann und was ich schreibe, entscheidet sich in einem Innern – bisher unbewusst – bezüglich der Sprachenwahl.“ Wichtig ist ihm dabei der Originalton: „Ich bin froh, dass das Schreiben in beiden Sprachen – immer im Originalton – mir große Freude bereitet“, sagt Georges Heck.
Wörter, Redewendungen, menschliche Geschichten, Natur und Kunst
Nach Inspirationsquellen gefragt, spricht er weniger von literarischen Vorbildern als von Erfahrungen. Wörter, Redewendungen, menschliche Geschichten, Natur und Kunst seien es, die sich dann meldeten. Oft beginne alles mit Notizen in der Nacht, die tagsüber Gestalt annehmen. Den Schreibprozess beschreibt er als Wechselspiel: „Ideen und Gefühle sind in stetiger Wechselwirkung, tauschen gegenseitig Worte, Ausdrücke, Bilder aus.“ Am Ende stehe ein stilles Einverständnis mit dem Text: „Nach Fertigstellung des Schreibens läuft ein Lächeln im Einklang mit meiner Person über die frischen Zeilen. Jetzt kann das Gedicht verschenkt werden.“ Prägende Stationen seines Lebens reichen weit zurück. Kindheitserfahrungen in großer Freiheit, frühe kreative Tätigkeiten, das Vortragen von Gedichten vor der Familie – all das habe Spuren hinterlassen, sagt er heute. Auch seine Zeit als Lehrer war entscheidend: „Als ich die Verantwortung der Leitung der 5. und 6. Grundschulklasse übernahm, konnte ich die Flamme der Gedichtwelt an begeisterte Schüler weitergeben – ein Vergnügen der besonderen Art für alle.“ Nicht alle Texte dieses Bandes sind abgeschlossen – und wollen es auch nicht sein. Denn ein Gedicht, sagt Georges Heck, trage bewusst offene Fragen in sich. „Fragezeichen gehören zur menschlichen Existenz. Und solange der Mensch sich Fragen stellt, ist er bewegt unterwegs.“ Lyrik versteht er daher nicht als fertige Antwort, sondern als Prozess. Ein konkretes Zielpublikum hatte der Autor beim Schreiben nicht im Blick. „Ich schreibe, weil es eine herausfordernde Freude ist“, sagt er schlicht. Die Offenheit der Lyrik entspreche seiner eigenen Subjektivität, seinen Gedanken und Gefühlen. Was er sich von der Lektüre wünscht, formuliert er ebenso unprätentiös wie klar: „Dass sie sich selbst mitnehmen – während der Lektüre und später.“ Entdecken, Staunen und Austausch – mit sich selbst und mit anderen – seien die eigentlichen Erträge. Oft werde dieser Weg „von einer Brise Glücksgefühl begleitet“.
Georges Heck: Es blühe dein Lebensbaum; Que ton arbre de vie fleurisse; erschienen im GrenzEcho Verlag (GEV), 172 Seiten, ISBN 978-3-86712-213-9

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