15 Jahre nach Buizingen: Belgisches Schienennetz vollständig mit ETCS ausgerüstet

<p>Das Schienennetz ist modernisiert worden.</p>
Das Schienennetz ist modernisiert worden. | Foto: belga

Der Ausbau des Systems erfolgte schrittweise über rund zehn Jahre und kostete etwa 2,8 Milliarden Euro. Inzwischen sind 6.399 Kilometer der Schienen in Belgien ausgerüstet. Dafür installierte der Netzbetreiber Infrabel mehr als 48.000 Balisen in den Gleisen und rüstete über 11.000 Signale technisch auf.

Damit das System seine Wirkung entfalten kann, müssen auch die Züge selbst mit ETCS ausgestattet sein. Bei der SNCB soll dies bis Ende dieses Jahres für die gesamte Flotte abgeschlossen sein. Die letzten Lokomotiven im Personenverkehr ohne ETCS würden in den kommenden Wochen schrittweise außer Dienst gestellt, erklärte Unternehmenssprecher Dimitri Temmerman. Ab Ende 2027 dürfen in Belgien nur noch Züge verkehren, die mit dem System ausgerüstet sind.

Der beschleunigte Ausbau moderner Sicherungssysteme ist eine direkte Folge des Unglücks von Buizingen im Februar 2010, bei dem 19 Menschen ums Leben kamen. Zunächst wurde das System TBL1+ eingeführt, später folgte ETCS. Laut Infrabel hat diese Entwicklung die Sicherheit auf der Schiene bereits deutlich verbessert. Im Jahr 2024 fuhren noch 51 Züge an einem roten Signal vorbei, etwa halb so viele wie 2010. Besonders kritisch eingestufte Signalüberfahrten gingen im selben Zeitraum von 51 auf 14 zurück.

Infrabel-Chef Benoît Gilson sprach von einem historischen Meilenstein für den belgischen Bahnverkehr. ETCS biete in Kombination mit digitalisierten Verkehrsmanagementsystemen das höchste Sicherheitsniveau und stärke die Position Belgiens als eines der am besten ausgerüsteten und sichersten Schienennetze Europas.

Die für die Bahnsicherheit zuständige Ministerin für Modernisierung der Verwaltung, Vanessa Matz (Les Engagés), verwies auf die Vorreiterrolle des Landes. Belgien sei nach Luxemburg erst das zweite europäische Land, dessen gesamtes Schienennetz mit ETCS ausgestattet sei. Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés) betonte, das System unterstütze die Lokführer zuverlässig und erhöhe zugleich den Schutz von Reisenden und Gütern. Zugleich schaffe es eine moderne Grundlage, um den Bahnverkehr weiter auszubauen und eine nachhaltigere Mobilität zu fördern. (belga/svm)

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