Seit 2022 verschlechtert sich der Zugang zur Gesundheitsversorgung für Studierende aus finanziellen Gründen deutlich, warnt Solidaris. Innerhalb nur eines Jahres stieg der Anteil der Betroffenen um fünf Prozentpunkte, über einen Zeitraum von elf Jahren sogar um 21 Punkte. Damit verzeichnen Studierende bereits das dritte Jahr in Folge einen Negativrekord.
Am häufigsten sparen junge Menschen bei der psychischen Gesundheit: 26 Prozent der Studierenden verzichten auf psychologische oder psychiatrische Betreuung, weil sie zu teuer ist. Das entspricht einem Anstieg von zehn Punkten innerhalb eines Jahres und 16 Punkten innerhalb von zehn Jahren. Doch auch in anderen Bereichen wird zunehmend gespart – etwa bei Facharztbesuchen, augenärztlichen Kontrollen oder sogar beim Kauf von Medikamenten.
Das Problem betrifft längst nicht nur Studierende. Insgesamt gaben 41 Prozent der Bevölkerung an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine medizinische Leistung aus Kostengründen nicht in Anspruch genommen zu haben. 2015 lag dieser Wert noch bei 32 Prozent. Die Umfrage, die unter mehr als 1.200 frankophonen Belgierinnen und Belgiern durchgeführt wurde, weist eine Fehlermarge von rund drei Prozent auf. Zwar liegt der aktuelle Wert unter dem Höchststand von 48 Prozent im Jahr 2019, doch einige Bevölkerungsgruppen bleiben besonders verletzlich.
So verzichten 60 Prozent der Alleinerziehenden auf mindestens eine Behandlung. Auch sozial benachteiligte Gruppen, Arbeitslose und Rentner sind überdurchschnittlich betroffen. Bei Arbeitslosen ist der Verzicht auf psychische Gesundheitsversorgung innerhalb kurzer Zeit um 16 Punkte auf 37 Prozent gestiegen. Unter Pensionären liegt der Wert bei 37 Prozent.
Deutlich zeigen sich zudem geschlechtsspezifische Unterschiede: Fast jede zweite Frau verzichtet auf medizinische Versorgung, während es bei den Männern nur jeder Dritte ist.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert Solidaris unter anderem ein würdiges Mindesteinkommen für Menschen mit Arbeitsunfähigkeit. Die Mindestentschädigungen sollten bereits ab dem ersten Monat mindestens zehn Prozent über der Armutsgrenze liegen. Zudem müsse die Berechnung der Leistungen für Personen, die in Teilzeit wieder arbeiten, angepasst werden, um niedrige Einkommen besser zu schützen.
Ferner plädiert die Krankenkasse für einen stärkeren finanziellen Schutz besonders gefährdeter Gruppen – etwa durch die Abschaffung oder Deckelung von Zusatzkosten, die flächendeckende Einführung des Drittzahlersystems sowie die automatische Ausweitung des BIM-Status (besondere soziale Unterstützungsbedürftigkeit) auf Alleinerziehende. Auch in Pflegeheimen sollten die Kosten stärker am Einkommen orientiert begrenzt werden.
Nicht zuletzt fordert Solidaris besser erstattete Leistungen und mehr Tarifsicherheit für Patientinnen und Patienten. Für Studierende im Bereich der mentalen Gesundheit verlangt die Organisation eine Ausweitung des Angebots an jugendgerechten Behandlungen sowie die Abschaffung der Begrenzung der erstatteten Psychologensitzungen für junge Menschen bis einschließlich 23 Jahre. (belga/calü)

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