„Grand Baromètre“: Neue Umfrage zeigt klare politische Verschiebungen in Belgien

<p>Paul Magnette (links) und Bart De Wever (rechts) zählen zu den beliebtesten Politikern des Landes.</p>
Paul Magnette (links) und Bart De Wever (rechts) zählen zu den beliebtesten Politikern des Landes. | Fotos: belga / Collage: GrenzEcho

Laut dem neuesten „Grand Baromètre“ erleben die Sozialisten der PS in der Wallonie einen regelrechten Höhenflug. Mit 29 Prozent der Stimmen liegen sie sieben Prozentpunkte über ihrem Ergebnis bei den Wahlen im Juni 2024 und nähern sich damit der symbolischen 30-Prozent-Marke. Zwar hatte die PS ihre Spitzenposition bereits nach der Wahl wieder übernommen, doch die neuen Umfragewerte markieren den bislang höchsten Stand.

Die aktuellen Zahlen zeigen auch, dass sich der Abstand zur MR deutlich vergrößert. Die Liberalen kommen laut Barometer nur noch auf 21,4 Prozent – nach 28,2 Prozent bei den Wahlen. Auch Les Engagés verlieren an Zustimmung, wenn auch moderater: Mit 17,3 Prozent büßt die Partei 2,7 Prozentpunkte ein. Dem „Grand Baromètre“ zufolge zahlen beide Regierungsparteien damit offenbar den Preis für ihre politische Verantwortung – seit weniger als einem Jahr auf föderaler Ebene und seit Sommer 2024 in der Wallonie und der Französischen Gemeinschaft.

Am unteren Ende des politischen Spektrums rangiert laut der Umfrage Ecolo mit 7,4 Prozent, weit abgeschlagen von den Spitzenplätzen.

<p>Sophie Wilmès steht in der Wallonie hoch im Kurs.</p>
Sophie Wilmès steht in der Wallonie hoch im Kurs. | Foto: belga

Auch bei den politischen Persönlichkeiten zeichnet das neueste „Grand Baromètre“ ein stabiles Bild: In der Wallonie bleibt das Spitzen-Trio unverändert. Sophie Wilmès (MR) führt mit 57 Prozent das Beliebtheitsranking an, gefolgt von Alexander De Croo (Open VLD) mit 45 Prozent und PS-Chef Paul Magnette mit 40 Prozent.

Die PTB übernimmt in der Brüsseler Region die Führung

Die Zahlen des „Grand Baromètre“ zeigen, dass in Brüssel vor allem die radikale Linke von der anhaltenden politischen Blockade profitiert. Die PTB wird mit 22,3 Prozent als einzige Partei über der 20-Prozent-Marke stärkste Kraft in der Hauptstadt. PS (19,8 Prozent) und MR (17,2 Prozent) folgen und bleiben dabei weitgehend stabil.

Les Engagés erreichen laut Umfrage 9 Prozent, während Ecolo nach einem Zwischenhoch wieder auf 7,4 Prozent zurückfällt. Défi überschreitet mit 5,6 Prozent erneut die Wahlschwelle. Im niederländischsprachigen Lager, so das „Grand Baromètre“, liegen Vlaams Belang (5,1 Prozent), N-VA (3,2 Prozent) und Groen (2,8 Prozent vorne).

<p>Alexander De Croo ist im französischsprachigen Teil des Landes noch immer beliebt.</p>
Alexander De Croo ist im französischsprachigen Teil des Landes noch immer beliebt. | Foto: belga

Auch bei den beliebtesten Persönlichkeiten in Brüssel bleibt der Umfrage zufolge alles beim Alten: Sophie Wilmès (54 Prozent), Alexander De Croo (46 Prozent) und Paul Magnette (40 Prozent) führen weiterhin das Ranking an.

Die N-VA ist in Flandern zurück an der Spitze

In Flandern bestätigt das „Grand Baromètre“ die Rückkehr der N-VA an die Spitze. Mit 25,6 Prozent erreicht die Partei exakt ihr Ergebnis der letzten Wahl und liegt damit vor dem Vlaams Belang, der auf 23,9 Prozent zurückfällt. CD&V ist erneut drittstärkste Kraft und nähert sich mit 13,9 Prozent weiter der 15-Prozent-Marke.

Vooruit verliert laut Umfrage leicht an Boden und kommt auf 11,4 Prozent. Die PVDA nähert sich mit 10,2 Prozent weiter den Sozialisten an. Dahinter folgen Open VLD mit 7,1 Prozent und Groen mit 7 Prozent. Der Rücktritt von Groen-Vorsitzendem Bart Dhondt erfolgte unmittelbar vor der Veröffentlichung der neuen Zahlen.

<p>Zuhal Demir hat viele Anhänger im Norden des Landes.</p>
Zuhal Demir hat viele Anhänger im Norden des Landes. | Foto: belga

Bei den beliebtesten flämischen Politikern bleibt der Umfrage zufolge Bart De Wever (N-VA) mit 64 Prozent klar an der Spitze. Auf den Plätzen folgen Parteikollegin Zuhal Demir (54 Prozent) und CD&V-Vorsitzender Sammy Mahdi (47 Prozent).

Das „Grand Baromètre“ wurde vom Institut Ipsos zwischen dem 1. und 9. Dezember 2025 online durchgeführt. Befragt wurden 2.602 Personen ab 18 Jahren: 1.002 in der Wallonie, 1.000 in Flandern und 600 in der Region Brüssel-Hauptstadt. Die maximale Fehlermarge liegt bei ±3,1 Prozent in der Wallonie und in Flandern sowie bei ±4,0 Prozent in Brüssel. (calü)

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