Bei der Demonstration arbeiteten zwei Roboterarme gleichzeitig: Einer erstellt kontinuierlich Ultraschallaufnahmen einer nachgebildeten Wirbelsäule, während der andere die Bohrungen vornimmt. Künftig könnten alle Rückenoperationen, bei denen Schrauben und Platten an der Wirbelsäule fixiert werden, auf diese Weise erfolgen.
„Heute wird der Eingriff manuell durchgeführt: Ein Chirurg bohrt in einen Wirbel, um Schrauben einsetzen zu können. Grundlage sind Aufnahmen, die zuvor per Röntgen oder CT gemacht wurden – oft wird sogar während der Operation eine zusätzliche Aufnahme benötigt“, erklärt Manu Vander Poorten, Professor für chirurgische Robotik an der KU Löwen. „Das bedeutet Strahlenbelastung. Außerdem erfordert der Eingriff eine enorme Präzision, die nicht leicht zu gewährleisten ist.“
Der neue Roboter ersetzt diese Bildgebung durch Ultraschall, sodass während der Operation keine Röntgen- oder CT-Aufnahmen mehr nötig sind. Das macht die Prozedur nicht nur sicherer, sondern entlastet auch das medizinische Personal, das keine schweren Bleischürzen mehr tragen muss.
Die beiden Roboterarme arbeiten perfekt abgestimmt: Registriert der Ultraschall auch nur kleinste Bewegungen der Wirbelsäule – etwa durch Atmung –, passt der Bohrarm seine Position sofort an. Dadurch werden die Schrauben mit bislang unerreichter Genauigkeit gesetzt.
„Die Operation wird durch den Roboter minimal-invasiv“, sagt Doktorandin Kaat Van Assche. „Es müssen nur kleine Schnitte in Haut und Muskulatur gesetzt werden. Dadurch verläuft die Genesung deutlich schneller – Patientinnen und Patienten können bereits am Tag nach dem Eingriff wieder nach Hause gehen. Längere Aufenthalte wegen eines großflächig geöffneten Rückens entfallen.“
Ähnliche Systeme gibt es weltweit bereits, doch dies ist der erste Roboter dieser Art, der in Belgien entwickelt wurde. Mehr als 20.000 Menschen unterziehen sich hierzulande jedes Jahr einem solchen Eingriff – sie alle könnten von der neuen Methode profitieren. Bis zur praktischen Anwendung wird es jedoch noch dauern: Die Forscher rechnen mit fünf bis sechs Jahren, bis das System marktreif und in Operationssälen einsatzbereit ist. Zuvor sind weitere Studien und technische Anpassungen notwendig. (belga/rt)

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