Überlastete Netze: Hunderte Projekte warten auf Anschluss in der Wallonie

<p>In der Wallonie stößt das Stromnetz zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen.</p>
In der Wallonie stößt das Stromnetz zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. | Illustrationsbild: belga

„Die Fristen entwickeln sich eindeutig nicht in die richtige Richtung“, sagt Luc Warichet, stellvertretender Generaldirektor von Resa. Die wachsende Zahl industrieller Elektrifizierungsprojekte, Batterieanlagen und Schnellladestationen treibt die Nachfrage an. Auch Elia, Betreiber des Hochspannungsnetzes, meldet mit 280 neuen Anschlussanträgen eine deutliche Überlastung seiner Kapazitäten.

Parallel dazu warnt Ores vor einem weiteren strukturellen Problem, das im Zuge der Energiewende an Bedeutung gewinnt: Unterspannung. Wie „Le Soir“ und „Sudinfo“ berichten, sieht Ores-Chef Fernand Grifnée hier eine Entwicklung, die künftig gravierende Folgen haben könnte. Der zunehmende Einsatz von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und – in geringerem Maße – von Wärmepumpen belastet die lokalen Stromkreise spürbar. Bereits heute liegen 14,6 Prozent der Netzabschnitte um neun Prozent unter dem Sollwert von 230 Volt. Für Verbraucher ist dies noch kaum merkbar, doch ab einer Abweichung von 15 Prozent würden die Auswirkungen direkt spürbar.

Bislang bereiteten vorwiegend Überspannungen Probleme, ausgelöst durch die starke Verbreitung von Photovoltaikanlagen in manchen Regionen. Hohe Einspeisungen können Wechselrichter zum Abschalten bringen. Nun droht zunehmend das gegenteilige Szenario: In einigen Gebieten könnte das Netz künftig nicht mehr genügend Spannung liefern.

Um diesen Entwicklungen zu begegnen, hält Ores eine deutliche Erhöhung der Investitionen für unumgänglich. Für den Zeitraum 2025 bis 2029 plant das Unternehmen Ausgaben von 2,5 Milliarden Euro. Grifnée rechnet damit, dass ein Teil der Kosten über höhere Stromrechnungen und angepasste Verteilertarife von den Verbrauchern getragen werden muss. (belga/rt)

Kommentare

  • Warum merken die Netzbetreiber das erst jetzt? Seit Jahren wird aktiv für E-Mobilität und Wärmepumpen geworben, ebenso wie für Photovoltaik und Windenergie. Das ist doch nichts Neues! Warum gehört zu dieser Politik nicht auch die Einrichtung entsprechend ausgerüsteter Netze?

  • Sehr geehrter Herr Ellmer, man versucht dem Leser zu suggerieren, die Netze seien Schuld. Das sind sie aber nicht. Allein der abstruse Plan mit unkontrollierten Einspeisungen von Wind und Solar dieses Netz regeln zu wollen, scheitert an der Physik. Diese Energiewandler kann man nur abregeln, zuschalten kann man sie nicht.

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