Das Iweps untersuchte individuelle Faktoren, die in der Wallonie mit psychischen Problemen zusammenhängen. Besonders auffällig ist der Einfluss des Alters: 29 Prozent der 18- bis 24-Jährigen gelten als gefährdet, bei den 25- bis 44-Jährigen sind es sogar 33,6 Prozent. In höheren Altersgruppen sinken die Werte deutlich – auf 25,3 Prozent bei den 45- bis 64-Jährigen und auf 14,7 Prozent bei den über 65-Jährigen. Diese Entwicklung deckt sich mit nationalen wie internationalen Studien, die seit Jahren auf die wachsende seelische Verwundbarkeit jüngerer Generationen hinweisen.
Frauen sind stärker betroffen als Männer: 30,6 Prozent von ihnen weisen ein Risiko für Angststörungen auf, gegenüber 21,3 Prozent der Männer. Laut Iweps ist dieser Unterschied umfassend dokumentiert und hängt unter anderem mit geschlechtsspezifischen Faktoren wie der Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten, Bewältigungsstrategien oder wahrgenommenen sozialen Rollen zusammen.
Auch die Familiensituation wirkt sich deutlich aus. In Ein-Eltern-Haushalten geben 36,5 Prozent der Befragten an, ein erhöhtes Risiko zu haben. Menschen, die allein oder noch bei ihren Eltern leben, liegen mit 27 bis 28,1 Prozent ebenfalls über dem Durchschnitt. Am wenigsten gefährdet sind Paare ohne Kinder (20,6 Prozent).
Einkommen und Bildung sind ebenfalls stark ausschlaggebend. Wer zum unteren Einkommensviertel gehört, zeigt mit 30 Prozent ein höheres Risiko als Personen im oberen Quartil (21,7 Prozent). Menschen mit höherer Bildung berichten seltener von Angstproblemen (21,1 Prozent) als Befragte mit niedrigem oder mittlerem Bildungsniveau (28,9 bzw. 28,4 Prozent). „Die Ergebnisse bestätigen den engen Zusammenhang zwischen sozialen Ungleichheiten und psychischer Gesundheit“, betont das Iweps.
Besonders hoch ist das Risiko bei Menschen in langfristiger Arbeitsunfähigkeit: Mehr als die Hälfte von ihnen (50,7 Prozent) zeigt Anzeichen einer möglichen Angststörung. Unter Arbeitslosen sind es 33 Prozent, unter Erwerbstätigen 26,7 Prozent und unter Rentnern 14,9 Prozent.
Der Faktor Isolation wiegt ebenfalls schwer. Fast drei Viertel derjenigen, die sich „immer isoliert“ fühlen, weisen ein Risiko für Angststörungen auf. In der Gruppe, die sich „nie isoliert“ fühlt, sind es lediglich 14,1 Prozent.
Neben den individuellen Faktoren analysierte das Iweps auch regionale Unterschiede bei Bedarf, Angebot und Zugang zur psychischen Gesundheitsversorgung. Grundlage waren Selbstauskünfte, die Suizidrate pro 100.000 Einwohner sowie Angaben zur Qualität und geografischen Erreichbarkeit der Angebote. Daraus entstand eine Karte, die die verletzlichsten Gemeinden ausweist.
Demnach schneiden Wallonisch-Brabant, Namur und sein Umland sowie der Nordosten der Provinz Lüttich am günstigsten ab – mit geringem Bedarf und gutem Zugang zur Versorgung. Besonders schlecht steht der Süden des Sambre-Maas-Korridors da: hoher Bedarf, sehr geringe Versorgung. Der Hennegau und der Westen der Provinz Lüttich liegen insgesamt im Mittelfeld.
Angesichts dieser Befunde empfiehlt das Iweps, die Versorgung stärker nach dem tatsächlichen lokalen Bedarf auszurichten. Dazu seien regionale Diagnosen notwendig, die mehrere Indikatoren zusammenführen. Außerdem rät das Institut zu einem Monitoring der Systemleistung, zur Verankerung psychischer Gesundheit in allen Politikbereichen, zur langfristigen Stärkung von Prävention, Primärversorgung und lokalen Ressourcen sowie zur Entwicklung einer regionalen Strategie gegen Einsamkeit. (belga/rt)

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