Laut Embuild wird sich der Abwärtstrend in den kommenden Monaten fortsetzen. Erst 2027 rechnet der Verband mit einer leichten Erholung, die allerdings unter 0,5 Prozent Wachstum bleiben dürfte.
Besonders dramatisch ist die Situation im Neubausektor. Die Zahl der fertiggestellten oder begonnenen neuen Wohnungen ist 2025 um 5,5 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig liegt die Zahl der Baugenehmigungen so niedrig wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.
Auch im Bereich der Wohnungsrenovierungen bleibt die Dynamik hinter den Erwartungen zurück. Die leichte Aktivitätssteigerung in den vergangenen zwei Jahren sei fast ausschließlich auf die Renovierungspflicht in Flandern zurückzuführen, betont Embuild.
Für Niko Demeester, CEO von Embuild, ist die Lage angesichts von Bevölkerungswachstum und Klimazielen alarmierend: „Um das demografische Wachstum zu bewältigen und die europäischen Energieziele zu erreichen, müssen wir dringend mehr neue Wohnungen bauen und die Renovierungsrate massiv erhöhen“, sagt Demeester.
Nach Berechnungen des Verbands müssten in Belgien bis 2030 jährlich rund 35.000 zusätzliche Wohnungen errichtet werden, um den Bedarf zu decken.
Auch Gewerbebau bricht ein – Förderprogramme ausgelaufen
Nicht nur der Wohnungs-, sondern auch der Nichtwohnungsbau steckt in Schwierigkeiten. Hier sank die Aktivität um 3,7 Prozent, bei Renovierungen um 0,8 Prozent. Embuild führt den Rückgang vor allem auf den Wegfall zeitlich begrenzter Förderprogramme zurück – sowohl EU-weit als auch im Zusammenhang mit den Folgen der Überschwemmungen 2021. Zusätzlich seien Renovationsprogramme für wallonische Krankenhäuser ausgelaufen.
Regierung verzichtet auf höhere Mehrwertsteuer
Erleichtert zeigt sich die Branche über eine politische Entscheidung: Die Föderalregierung hat keine Anhebung der Mehrwertsteuer auf Neubauten, Sozialwohnungen und Renovierungen beschlossen. Auch der Bereich Abriss und Wiederaufbau bleibt steuerlich unverändert begünstigt.
Trotzdem hinterlässt die Krise deutliche Spuren am Arbeitsmarkt. In den vergangenen zwölf Monaten gingen rund 2.500 Arbeitsplätze im Bausektor verloren.
Ob Fördermaßnahmen, Konjunktur und Energiepolitik die Branche in den kommenden Jahren wieder stabilisieren können, bleibt offen. Embuild warnt jedenfalls: Ohne umfassende Impulse drohe Belgien sowohl beim Wohnraum als auch bei Klimazielen massiv zurückzufallen. (belga/calü)

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