Weshalb die Überraschung nicht nur später ins Haus stand, sondern auch merklich heftiger ausfiel als erwartet. Denn mit Blick auf die aktuellen Zahlen von 2023 (die Erhebungen für die zwei letzten Jahre stehen noch aus) erfuhr das Agrarland zwischen Tournai und Herve innerhalb der vergangenen sechs Jahre eine Preissteigerung von sage und schreibe 44 Prozent - womit der Preis pro Hektar auf 39.000 € anstieg.
Wohlgemerkt, im Schnitt. Wenngleich mancherorts gar deutlich höhere Summen aufgerufen und letztlich auch bezahlt wurden (teils deutlich über 60.000 €).
Zum innerbelgischen Vergleich: In Flandern ist der Durchschnittspreis im gleichen Zeitraum gar auf 68.100 € gestiegen. Der Grund: Agrarland ist in Flandern längst Mangelware. Ganz besonders in Westflandern mit 84.300 €, während in Limburg lediglich 55.200 € als Durchschnittspreis ausgewiesen sind. In der Wallonie sind die Unterschiede zwischen Provinzen nicht derart gravierend. Hier führt Luxemburg die Rangliste seit jeher an, während Lüttich die Reihe beschließt.
Schlimmer als diese „Netto“-Zahlen ist jedoch die Tatsache, dass in der Zwischenzeit erstaunliche 45 Prozent besagter Parzellen gar nicht von Landwirten erworben werden, sondern von Personen respektive Unternehmen, die in keinem Bezug zur Agrarwirtschaft stehen (und teils sogar im Ausland angesiedelt sind). So blieb der Branche von den verkauften 6.883 Hektar ein Anteil von 3.783 Hektar (abzüglich der 949 Hektar, die die Landwirte in 2023 selbst veräußerten).
Gerade mal die Hälfte in der Branche gekauft
In Belgien gibt es - wie in vielen (wirtschaftlichen) Bereichen und somit keineswegs überraschend - ebenfalls in der Landwirtschaft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft - vorrangig festgemacht an der geografisch-topografischen Ansiedlung. Jedenfalls hat sich das wirtschaftliche Nord/Süd-Gefälle in den vergangenen Jahren weiter verschärft. Zu Ungunsten der Milch-, Fleisch- und Getreidebauern in der Wallonie, selbst wenn (siehe oben) die Preise für Grund und Boden auch hier zuletzt spürbar angezogen haben.
Ungeachtet von Lage und Qualität der Flächen liegen die Erträge namentlich für Getreide, Rüben oder Obst (die Prioritäten in Flandern) deutlich über der Rendite für Milch und Fleisch. Eine Rentabilität, die gleichfalls durch die vielfach modernere maschinelle Bewirtschaftung bedingt ist. Und von der in der Zwischenzeit neben Flandern auch weite Teile in den Provinzen Wallonisch-Brabant und Lüttich aufgrund der regionalen Bodenbeschaffenheit profitieren. Da die flämischen „Farmer“ ihre (industriellen) Tätigkeiten gezielt in die angrenzende Wallonie ausweiten, spüren hier auch zunehmend regionale Grünlandbesitzer die preisliche Hausse auf dem eigenen Bankkonto.
Podium wenig schmeichelhaft
Es ist ein Podium, auf das Belgien sicher gerne verzichtet hätte. Bei der Steigerungsrate in Sachen Wohnkredit belegt Belgien Rang drei - mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 3,29 Prozent zum 30. September hinter Deutschland (3,71) und Niederlande (3,41). Dabei war der Zinssatz für Hypothekendarlehen in unserem Land zu Beginn des Jahres haarscharf an der Drei-Prozent-Grenze (3,05) vorbeigeschrammt. Zum Vergleich: Im Januar 2022, also vor fast genau vier Jahren, schlugen die Zinsen mit gerade mal 1,48 Prozent zu Buche. Soweit die jüngsten Erhebungen der Europäischen Zentralbank EZB, die unserem Land ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis ausstellt. Insgesamt hat der Zinssatz der belgischen Banken für Wohnkredite (unter Berücksichtigung der teils stark variierenden Laufzeiten) in neun Monaten demnach um 0,24 Prozent angezogen. Zugleich Rang zwei hinter Niederlande (plus 0,72) und vor der Rate in Deutschland, Italien und Malta (alle plus 0,15 bis 0,19). Wogegen der Zinssatz bei den übrigen fünfzehn Ländern der Euro-Zone gesunken ist - hierunter in Luxemburg um beachtliche 0,27 Prozent.

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