Saarland/Ostbelgien
„Dass wir immer älter werden, ist eine der größten Errungenschaften unserer Gesellschaft. Dies sollten wir würdigen; es als Chance und nicht als Belastung sehen“, meinte Otmar Weber, Dorfentwickler vom Umweltministerium des Saarlandes und Gastgeber der Exkursion.
Die demografische Entwicklung, die Auswirkungen und die Möglichkeiten für die Dörfer im ländlichen Raum waren das zentrale Thema der Exkursion zu guten Beispielen, die die Ländlichen Gilden am Samstag, 27. April, im Auftrag der Regierung organisierten.
So besuchten die 23 Mitfahrer, allesamt Aktive aus Dorfgruppen oder Seniorenvereinigungen, in Begleitung der zuständigen Gemeinschaftsministerin Isabelle Weykmans zunächst eine Kindertagesstätte in der nordsaarländischen Gemeinde Freisen, wo gleichzeitig die ortsansässige Seniorenvereinigung ihr Zuhause hat.
So wird nicht nur die Infrastruktur gemeinsam genutzt sowie Energie und Kosten gespart, sondern es werden gemeinsame Aktivitäten unternommen, wie gemeinsames Kochen mit der Männer-Kochgruppe, kreative Workshops, Schachspielen, Plattdeutsch lernen uvm. Jung und Alt begegnen sich tagtäglich, lernen voneinander und die Gemeinde braucht keine zusätzliche Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Weiter ging es in das Dorf Hoof, einem Ortsteil der Stadt St. Wendel, der sich vor allem durch hohes ehrenamtliches Engagement und einen sehr emsigen Ortsvorsteher auszeichnet. Die Hoofer haben durch kleine Anschübe seitens des Ministeriums und vor allem durch tatkräftiges Mithelfen vieler Bürger 14 kleine Verschönerungsmaßnahmen im Ort selber durchgeführt und damit das Dorf und das eigene Selbstwertgefühl aufgewertet.
Highlight ist ein ehrenamtlich geführtes Bürgerbistro, welches morgens und abends geöffnet ist, die Menschen mit Frühstück, Backwaren und Zeitschriften versorgt und abends zum Essen und Verweilen einlädt.
Die Delegation aus Ostbelgien wurde mit einem leckeren „Saarland-Teller“ verwöhnt.
Hier wurde die Delegation aus Ostbelgien auch empfangen und mit einem leckeren „Saarland-Teller“, gespickt mit regionalen Köstlichkeiten, verwöhnt. Dritte Station war das sogenannte „Bohnental“, in dem die fünf Dörfer über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg zusammenarbeiten und verschiedene gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität, vor allem für ältere Menschen, ins Leben gerufen haben. So gibt es schon seit sieben Jahren die sogenannten „Bohnentaler Muske(l)tiere“, die sich zum Ziel gesetzt haben, das gesellschaftliche und nachbarschaftliche Engagement in den fünf Bohnentalorten zu stärken.
Kleine Dienstleistungen wie Fahrdienste und Reparaturarbeiten werden von Bürgern angeboten, die andere wieder in Anspruch nehmen können. Das Projektteam vermittelt dann erfolgreich Anfrage und Angebot. Ähnlich gelagert ist auch das Ziel der „Bohnentaler Selbermacher“, die die alten Kulturtechniken wie das Korbflechten, Brotbacken, Gärtnern, Scheren schleifen oder das Arbeiten mit der Sense in den Dörfern wiederbeleben möchten und das Wissen dann von Bürgern für Bürger in Form von Kursen, Workshops und Veranstaltungen angeboten werden.
Die Zukunft der Vereine in den Dörfern hat das Projekt des „Bohnentaler Staffellaufs“ im Blick. Dabei geht es nicht um sportliche Betätigung, sondern um die Frage, wie es in Vereinen oder Verbänden weitergehen kann, wenn ein Generationenwechsel ansteht. Mithilfe eines Soziologen wurden interessante Anregungen für die ortsansässigen Vereine erarbeitet.
Dabei steht der Staffelstab als Symbol: „Beim Staffellauf ist die Übergabe des Stabes bei vollem Lauf die größte Herausforderung. Schnell laufen kann jeder; ebenso eine Übergabe im Stand. Daher ist die größte Leistung eines verdienstvollen Vereinspräsidenten nicht die Errungenschaften seiner Amtszeit, sondern die Qualität der Übergabe zum richtigen Zeitpunkt an jüngere Generationen, ohne dass der Verein an Fahrt und Dynamik verliert“, so der Soziologe Dr. Armin Kuphal.
Weitere Infos zu den besuchten Projekten der Exkursion sowie den Aktivitäten und Angeboten der Ländlichen Gilden in Sachen Dorfentwicklung finden Sie auf unserer Webseite.
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