HIV-Diagnosen nehmen bei Männern in Belgien wieder zu

<p>Sciensano fordert eine bessere HIV-Prävention.</p>
Sciensano fordert eine bessere HIV-Prävention. | Illustrationsfoto: picture alliance

Die Zahl der HIV-Diagnosen in Belgien ist 2024 nahezu stabil geblieben, doch bei belgischen Männern zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend. Das geht aus dem aktuellen epidemiologischen Bericht des Gesundheitsinstituts Sciensano hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Daten deuten darauf hin, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Epidemie in Belgien nachhaltig einzudämmen.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 662 neue HIV-Diagnosen gestellt – rund 1,8 pro Tag und zwei Prozent mehr als 2023. Hinter dieser relativen Stabilität verbergen sich jedoch deutliche Verschiebungen. So stieg die Zahl der Diagnosen unter belgischen Männern um ein Drittel. Auch bei Männern, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben, blieb die Gesamtsituation zwar konstant, doch innerhalb dieser Gruppe nahmen die Diagnosen um 15 Prozent zu.

Auch bei heterosexuellen Männern setzt sich der Anstieg fort. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 332 heterosexuelle Neuinfektionen registriert, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Unterdessen blieben die Zahlen bei Frauen belgischer Nationalität stabil und gingen bei Frauen mit Migrationshintergrund sogar zurück. Besonders betroffen sind weiterhin Menschen aus Subsahara-Afrika, die unter den heterosexuellen Diagnosen einen großen Anteil ausmachen.

Die regionale Verteilung zeigt ein vertrautes Bild: Das Brüsseler Hauptstadtgebiet weist nach wie vor die mit Abstand höchste Belastung auf. Pro Einwohner werden dort fast dreimal so viele HIV-Diagnosen gestellt wie im Landesdurchschnitt. Diese Konzentration findet sich auch bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Die Daten zeigen zugleich, dass eine HIV-Infektion in Belgien zunehmend in einem späteren Stadium entdeckt wird – besonders bei heterosexuellen Männern und bei Personen aus hochbelasteten Herkunftsgruppen.

Sciensano verweist darauf, dass Belgien über ein breites Arsenal an Präventionsinstrumenten verfügt: Kondome, regelmäßige Tests, eine frühzeitige Behandlung, die eine sexuelle Übertragung praktisch ausschließt, sowie Prä- und Postexpositionsprophylaxe (PrEP und PEP). Doch diese Möglichkeiten erreichen die besonders gefährdeten Gruppen nicht immer ausreichend. Strukturelle Barrieren – soziale Normen, Tabus rund um Sexualität, kulturelle Vorstellungen oder Angst vor Stigmatisierung – erschweren nach wie vor den Zugang zur Prävention. Sciensano empfiehlt deshalb, die Nutzung von PrEP leichter zugänglich zu machen, das Angebot weiter auszubauen und in stark betroffenen Regionen wie Brüssel gezielt intensivere Teststrategien einzuführen.

Die Zahlen weisen darauf hin, dass sich die HIV-Epidemie verändert. Das wiederum macht Anpassungen bei der Prävention erforderlich. Die Ziele des gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS), die Epidemie bis zum Ende dieses Jahrzehnts unter Kontrolle zu bringen, rücken damit nicht automatisch in weite Ferne. Sie werden aber nur erreichbar sein, wenn Prävention und Teststrategien konsequent an jene Orte und Menschen gebracht werden, die am stärksten betroffen sind. Die kommenden Jahre werden laut Sciensano entscheidend sein, ob Belgien diesen Kurs erfolgreich halten kann.

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