Altersdiskriminierung betrifft alle Generationen, doch vor allem zwei Gruppen stechen hervor: die unter 30-Jährigen und die über 70-Jährigen. Rund die Hälfte von ihnen berichtet, aufgrund ihres Alters benachteiligt worden zu sein.
Ein weiterer zentraler Befund der Studie: Wer finanziell prekär lebt, eine Behinderung hat oder als „anders“ wahrgenommen wird, ist häufiger betroffen. Das gilt ebenso für Frauen und LGBTQIA+-Personen.
Besonders heikel ist laut Studie die zunehmende Digitalisierung. Über 30 Prozent der Befragten fühlen sich ausgeschlossen, weil immer mehr Dienste nur noch digital zugänglich sind. Das ist nicht nur ein Problem älterer Menschen: Jeder fünfte der 16- bis 24-Jährigen gibt an, sich digital abgehängt zu fühlen. Bei den über 70-Jährigen betrifft dies bereits mehr als 40 Prozent, bei den über 80-Jährigen sogar fast die Hälfte.
Auch auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt spielt das Alter eine entscheidende Rolle. Rund 20 Prozent berichten von Diskriminierung bei der Jobsuche. Jüngeren werde vorgeworfen, zu unerfahren oder nicht zuverlässig zu sein. Personen über 50 gelten hingegen oft als „zu alt“, „zu teuer“ oder „nicht digital genug“. Bei der Wohnungssuche sind besonders die 21- bis 24-Jährigen sowie Menschen über 60 mit Vorurteilen konfrontiert – meist im Kontext ihrer finanziellen Lage.
„Die Studie zeigt, dass Altersdiskriminierung in der belgischen Gesellschaft weitverbreitet ist – und oft unsichtbar, weil sie stärker akzeptiert wird als andere Formen der Diskriminierung. Ihr Einfluss ist dennoch erheblich: Sie betrifft die Lebensqualität der Betroffenen, den Zugang zu Rechten, ihre wirtschaftliche Sicherheit und die soziale Teilhabe“, erklärt Unia-Direktor Patrick Charlier.
Unia kündigte an, bis Februar 2026 konkrete Empfehlungen zu erarbeiten – gemeinsam mit einer umfangreichen Expertengruppe. Gleichzeitig fordert das Zentrum die belgischen Behörden auf, sich aktiv für ein internationales Abkommen über die Rechte älterer Menschen einzusetzen. Zudem müsse der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen auch physisch und ohne Zusatzkosten gesetzlich garantiert werden. (belga/rt)

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