Der Bericht legt gravierende Defizite bei der Prävention und der kontinuierlichen Betreuung junger Menschen offen. Besonders alarmierend: Mehr als jeder sechste Jugendliche zwischen 8 und 25 Jahren, der wegen eines Suizidversuchs im Krankenhaus behandelt wurde, erlebte später einen erneuten Vorfall.
Zudem zeigt die Analyse, dass 20 Prozent der betroffenen Jugendlichen in den drei Monaten vor oder nach ihrer Hospitalisierung keinen Kontakt zu einem Hausarzt hatten. Rund 40 Prozent erhielten in den sechs Monaten um ihren Krankenhausaufenthalt herum keinerlei medikamentöse Behandlung. „Die Zahlen sprechen für sich: Zu viele junge Menschen verlassen das Krankenhaus ohne angemessene Begleitung und ohne den nötigen therapeutischen Rahmen“, warnt Solidaris.
Auch soziale Faktoren spielen eine große Rolle. Junge Menschen aus prekären Lebensverhältnissen haben ein doppelt so hohes Risiko, nach einem Suizidversuch ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Besonders stark betroffen sind Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren – ihr Hospitalisierungsniveau ist fünfmal höher als das gleichaltriger Jungen.
Regional betrachtet bleibt die Wallonie am stärksten betroffen, während in Brüssel ein besonders rascher Anstieg der Hospitalisierungen zu beobachten ist.
Angesichts dieser Entwicklungen fordert Solidaris eine umfassende Strategie, die auf zwei zentralen Säulen basiert. Erstens müsse die Prävention deutlich gestärkt werden – mit einem klaren Fokus auf besonders gefährdete Gruppen und auf die Ausbildung von Personen, die frühzeitig Alarmzeichen erkennen können. Zweitens müsse das Versorgungsangebot angepasst werden: Dazu zählt die Stärkung der psychologischen Erstversorgung ebenso wie eine bessere Sensibilisierung von Hausärzten für Warnsignale und die frühzeitige Erkennung psychischer Krisen. (belga/calü)

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