In einem langen Kampf bezwingt Carlos Alcaraz Taylor Fritz

<p>Carlos Alcaraz (Spanien) während der Nitto ATP Finals 2025 in Turin</p>
Carlos Alcaraz (Spanien) während der Nitto ATP Finals 2025 in Turin | Foto: Photo News

Der zweimalige Grand-Slam-Sieger musste im zweiten Gruppenspiel einige kritische Momente überstehen. Fritz servierte stark, spielte druckvoll und ließ Alcaraz wenig Raum für kreative Lösungen. Doch besonders im zweiten und dritten Satz zeigte der Spanier seine bekannten Qualitäten: kraftvoll, mutig, taktisch variabel. Im entscheidenden Durchgang gelang es ihm schließlich, die Partie auf seine Seite zu ziehen und den zweiten Sieg im zweiten Match einzufahren.

Damit hat Alcaraz beste Chancen auf das Halbfinale. Sollte im Abendspiel Alex de Minaur gegen Lorenzo Musetti gewinnen, stünde er vorzeitig in der Vorschlussrunde. Für Alcaraz geht es in Turin aber um mehr als nur den Titel. Er liefert sich mit Jannik Sinner ein direktes Fernduell um die Nummer 1 der Tenniswelt. Beide haben in diesem Jahr Grand-Slam-Turniere gewonnen, beide haben große Teile der Saison dominiert – die ATP Finals könnten zum Finale eines außergewöhnlichen Zweikampfes werden.

Zverev fordert Sinner nach Klatsche

Genau diesen Zweikampf bekommt auch Alexander Zverev zu spüren. Der Olympiasieger trifft im zweiten Gruppenspiel auf Sinner, der als Titelverteidiger und größter Favorit auf dem Hartplatz in Turin gilt. Der Deutsche zeigte sich vor der Partie respektvoll, aber kämpferisch. Sinner sei „momentan der beste Spieler auf diesem Belag“, sagte Zverev, „deswegen erwarte ich ein sehr schweres Match.“ Sinner spielt mit enormem Selbstvertrauen – sportlich und mental gestärkt durch die Jagd nach der Weltranglistenführung. Er genießt in Turin zudem den Heimvorteil, die vollen Ränge und ein Publikum, das jede gelungene Aktion bejubelt. Zverev weiß um die Herausforderung. Beim Masters in Paris kassierte er angeschlagen eine klare Niederlage – eine „schmerzhafte Klatsche“, wie er selbst sagt. Dass Sinner nach diesem Spiel mit den Worten „Get well soon“ auf einer TV-Kamera Genesungswünsche hinterließ, zeigt nicht nur dessen Selbstverständnis, sondern auch den Respekt zwischen beiden.

Für Zverev könnte die Dauer des Matches entscheidend werden. Sinner ist in langen Ballwechseln kaum zu knacken, gewinnt viele Duelle von der Grundlinie. Alles hänge vom Aufschlag ab, meint der Italiener selbst. Liefere Zverev wie beim Auftaktsieg über Ben Shelton eine Quote von mehr als 80 Prozent beim ersten Aufschlag, könne er bestehen.

Neben sportlichen Analysen schwingt auch Humor mit. „Jannik, du gehst uns Spielern allen so was von auf’n Sack“, hatte Zverev nach ihrem engen Finalduell in Wien gewitzelt – ein Satz, der seither Kultstatus genießt. Beide wissen, wie sehr sie sich gegenseitig antreiben. Und sie wissen, dass Alcaraz im Hintergrund auf jedes Detail achtet.

Für Alcaraz bedeutet der Sieg über Fritz hingegen ein Zeichen in Richtung Konkurrenz. Er wirkt körperlich stark, spielerisch variabel und mental belastbar. Sollte er das Halbfinale erreichen, könnte es in Turin zu jenem direkten Duell kommen, das das gesamte Tennisjahr geprägt hat: Alcaraz gegen Sinner – vielleicht um den Titel, vielleicht um die Nummer 1 der Welt.

Die ATP Finals laufen damit auf ein dramaturgisches Szenario zu, das Tennisfans auf der ganzen Welt elektrisiert. Jede Rallye, jeder Aufschlag, jeder Satz könnte in den kommenden Tagen entscheidend sein. Während Zverev gegen Sinner um Anschluss an die Spitze kämpft, hat Alcaraz mit dem Kraftakt gegen Fritz beste Voraussetzungen geschaffen, das Turnier zu prägen. Und Turin könnte zum Schauplatz eines Showdowns werden, der weit über das Jahr 2025 hinaus nachhallt. (dpa/kupo)

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