Sprachschwache Kinder werden im Kindergarten zu wenig einbezogen

<p>Kinder mit sprachlichem Förderbedarf werden im Kindergarten seltener direkt angesprochen.</p>
Kinder mit sprachlichem Förderbedarf werden im Kindergarten seltener direkt angesprochen. | Illustrationsbild: picture alliance/dpa

Für die Untersuchung wurden fünfzig Kindergartenlehrer mit einer speziellen Brille ausgestattet. Vorne zeichnet eine Kamera auf, was die Lehrkraft sieht, innen erfassen Sensoren die Blickbewegungen. So lässt sich genau nachvollziehen, welches Kind wie oft angesehen und in Gespräche einbezogen wird. Die Studie entstand im Rahmen des Tacos-Projekts, getragen von der Universität Gent, der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) sowie den Hochschulen Artevelde und Odisee. Ziel des Projekts ist es, die sprachliche Förderung im Kindergarten zu verbessern.

Das Ergebnis: Besonders jene Kinder, die wenig sprechen, zu Hause eine andere Sprache verwenden oder das Niederländische erst noch lernen, erhalten vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit von ihren Lehrkräften. Und das, obwohl in der Untersuchungssituation nur fünf Kinder gleichzeitig betreut wurden. Im normalen Kindergartenalltag müssen Lehrkräfte ihre Aufmerksamkeit meist auf rund 25 Kinder verteilen.

Die Unterschiede seien deutlich stärker ausgefallen als erwartet, erklärt der Forscher Thibaut Duthois von der Universität Gent. Die Lehrkräfte wurden jeweils zwanzig Minuten lang gefilmt. In einigen Fällen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit davon mehr als zehn Minuten lang auf ein einziges Kind. Kinder mit sprachlichem Förderbedarf dagegen bekamen mitunter nur wenige Sekunden persönliche Zuwendung. „Dass die Unterschiede so groß sind, war für viele Lehrkräfte ernüchternd“, so Duthois. (belga/rt)

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