Gesundheit oder Geschäft? Streit um neue Medikamente zur Gewichtsreduktion

<p>Mehrere europäische Organisationen warnen vor den Risiken und gesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Verbreitung von Abnehmpräparaten wie Wegovy und Mounjaro.</p>
Mehrere europäische Organisationen warnen vor den Risiken und gesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Verbreitung von Abnehmpräparaten wie Wegovy und Mounjaro. | Illustrationsbild: picture alliance/dpa

Zu den Autorinnen und Autoren gehören auch mehrere belgische Initiativen, die sich gegen Diskriminierung aufgrund von Körpergewicht einsetzen, darunter die Kollektive Fat Friendly, La Grosse Parole, Corps Cools und O’Yes. Sie kritisieren eine „pharmazeutische Offensive“, die von den Konzernen Novo Nordisk und Eli Lilly vorangetrieben werde. Diese würden – so der Vorwurf – „die Ablehnung dicker Körper im Namen der Gesundheit und aus kommerziellen Interessen“ ausnutzen.

Die Verbände weisen auf schwere Nebenwirkungen, Abhängigkeitsrisiken und eine rasche Gewichtszunahme nach dem Absetzen der Medikamente hin.

Unter den Unterzeichnern finden sich auch bekannte Persönlichkeiten wie die Journalistinnen Lauren Bastide und Florence Hainaut, der Arzt und Schriftsteller Martin Winckler, die Autorin Myriam Leroy sowie die Künstlerin Barbara Butch. Sie fordern eine Abkehr von einer Medizin, die den Körper allein über das Gewicht definiert, hin zu einem inklusiven Ansatz nach dem Modell HAES („Health at Every Size“ – Gesundheit in jeder Größe).

Konkret schlagen die Initiativen vor, das medizinische Personal besser für den Umgang mit Gewichtsdiskriminierung zu schulen, medizinische Kennzahlen wie den Body-Mass-Index (BMI) zu überarbeiten und allen Menschen – unabhängig von ihrer Körperform – den gleichen Zugang zu medizinischer Versorgung zu garantieren. Zudem fordern sie eine stärkere Präsenz vielfältiger Körperbilder in Medien, Kultur und öffentlichem Raum.

Die Autorinnen und Autoren sehen in der derzeitigen Gesundheitspolitik eine Fortsetzung von stigmatisierenden Vorstellungen über Übergewicht, die echte Prävention und Gleichbehandlung behindern. Es gehe, so ihr Fazit, „nicht um Gesundheit, sondern um soziale Kontrolle“. Sie rufen zu einer Medizin auf, die unabhängig von wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie arbeitet. (belga/rt)

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