Eine solche Maßnahme, so die Unterzeichner, würde dem Staat kaum 21 Millionen Euro einbringen – 13 Millionen in Flandern sowie 8 Millionen in der Wallonie und Brüssel –, aber massive Folgen für die Lesekultur und die Branche haben.
Nach Berechnungen der Verlage könnte die Steuererhöhung zu einem Absatzrückgang von rund neun Prozent führen – das entspricht etwa 900.000 weniger verkauften Exemplaren allein in der Französischen Gemeinschaft. Darüber hinaus drohe der Verlust von mehreren 100 Arbeitsplätzen in einem Sektor, der ohnehin unter Druck stehe – durch steigende Produktionskosten, sinkende Margen und die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland.
Die Branche ruft die Politik daher auf, auf die Steuererhöhung zu verzichten und stattdessen in die Förderung des Lesens und der Bildung zu investieren. „Wer von Chancengleichheit und Wissen spricht, kann nicht gleichzeitig Bücher teurer machen“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Lesen ist kein Luxusgut – es ist eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt.“
Sorge um sinkende Lesekompetenz
Die Verfasser warnen, dass eine Steuererhöhung die Zugänglichkeit von Büchern weiter einschränken und damit die ohnehin rückläufige Lesekompetenz in Belgien zusätzlich verschärfen würde. Bereits die internationalen Vergleichsstudien Pirls 2021 (Grundschule) und Pisa 2022 (Sekundarstufe) zeigten eine deutliche Verschlechterung des Leseverständnisses sowohl in Flandern als auch in der Wallonie.
Belgien liegt laut den Studien inzwischen unter dem europäischen Durchschnitt – ein Trend, den die Branche als „besorgniserregend“ bezeichnet.
Andere Länder gehen den entgegengesetzten Weg
Zum Beleg verweisen die Buchvertreter auf Beispiele anderer europäischer Länder: In Dänemark, der Tschechischen Republik und Irland wurde die Mehrwertsteuer auf Bücher ganz abgeschafft, nachdem dort negative Folgen für Wirtschaft und Leseförderung festgestellt worden waren. „Bücher sind kein gewöhnliches Konsumprodukt“, heißt es in dem Brief abschließend. „Sie sind das Fundament von Bildung, Kultur und Demokratie.“ (belga/calü)

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