Die ORR genehmigte Virgin Trains die gemeinsame Nutzung eines zentralen Wartungsdepots im Osten Londons, das bislang ausschließlich Eurostar vorbehalten war. Dieses Depot ist strategisch entscheidend: Es ist das einzige, das einen direkten Zugang zur Hochgeschwindigkeitsstrecke „High Speed 1“ bietet – der Verbindung zwischen London St.Pancras und dem Ärmelkanaltunnel, der Großbritannien mit dem europäischen Festland verbindet.
„Diese Entscheidung ist ein Sieg für die Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagte Branson gegenüber britischen Medien. „Es ist Zeit, das 30 Jahre alte Monopol zu beenden – und etwas Virgin-Magie in die Zugverbindungen durch den Tunnel zu bringen.“
Start 2030 mit neuen Zügen von Alstom geplant
Virgin will ab 2030 eigene Zugverbindungen durch den Tunnel anbieten – mit Zielen wie Brüssel, Paris und Amsterdam. Auch Erweiterungen nach Frankreich, Deutschland und in die Schweiz sind geplant. Dafür hat Virgin bereits eine Vereinbarung mit dem französischen Zughersteller Alstom über den Kauf von zwölf Hochgeschwindigkeitszügen abgeschlossen.

Bevor die Züge rollen können, müssen jedoch noch weitere Genehmigungen erteilt werden – etwa für die Nutzung der Strecke und für Sicherheitsfragen.
Eurostar reagiert zurückhaltend
Der bisherige Platzhirsch Eurostar, an dem auch die SNCB beteiligt ist, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend. Man prüfe die Entscheidung, hieß es. „Wir überlegen, welche Maßnahmen nötig sind, um unser Wachstum fortzusetzen“, erklärte das Unternehmen.
Eurostar selbst will stark expandieren: Kürzlich kündigte das Unternehmen an, bis zu 50 neue Hochgeschwindigkeitszüge bei Alstom zu bestellen. Damit sollen neue Verbindungen nach Genf und Frankfurt entstehen und das Passagieraufkommen auf 30 Millionen Reisende pro Jahr steigen.
Nur Virgin darf – andere Bewerber scheitern
Die ORR wies die Anträge mehrerer anderer potenzieller Konkurrenten ab, darunter Evolyn, Gemini Trains und Trenitalia. „Die Pläne von Virgin Trains waren finanziell und operativ überzeugender als die der anderen Bewerber“, erklärte die Behörde. Zudem habe Virgin nachweislich Rückhalt von Investoren und bereits ein Prinzipienabkommen über die Lieferung der Züge vorgelegt.
Großbritannien will mehr Wettbewerb
Auch die britische Regierung begrüßte die Entscheidung. „Diese Entwicklung wird den Reisenden mehr Auswahl bieten und die Verbindungen für Millionen Menschen verbessern“, erklärte Verkehrsminister Lord Henry. Man prüfe nun, weitere Wartungsdepots zu schaffen, „damit fehlende Infrastruktur nicht länger ein Hindernis für Wettbewerb und Wachstum ist.“
Der Ärmelkanaltunnel selbst wird derzeit nur zur Hälfte seiner maximalen Kapazität genutzt. Neben den Eurostar-Zügen verkehren dort auch LeShuttle-Transporte (für Autos, Lastwagen und Busse) sowie Güterzüge zwischen Calais und Folkestone. (belga/calü)

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