Kein Wunder, immerhin verzeichnet der Markt im südlichen Landesteil einen in dieser Höhe eher unerwarteten Anstieg von etwas mehr als siebzehn Prozent bei den Transaktionen im Vergleich zu den ersten drei Trimestern des Vorjahres. Womit die Wallonie letztlich den entscheidenden Push zu einer allseitigen Hausse belgienweit von stattlichen fünfzehn Prozent beisteuert. In Zahlen: Plus 17,2 Prozent in den fünf frankophonen Provinzen, plus 15,0 Prozent in den fünf flämischen Provinzen und plus 8,6 Prozent in der Region Brüssel.
Mitentscheidend für diesen Aufschwung zwischen Tournai und Lüttich ist unbestritten die Maßnahme der Regierung in Namur, zu Beginn des laufenden Jahres die Registrierungsgebühren drastisch zu kürzen, sprich: für den Erwerb des ersten Eigentums zur Eigennutzung von 12,5 auf 3 Prozent zu „vierteln“. Offenkundig eine „Offerte“, die nicht wenige Käufer genutzt haben. Freilich mit der Einschränkung, dass in den letzten drei Monaten des Vorjahres die Immobilienkäufe stark eingebrochen waren, da wahrscheinlich eine Reihe potenzieller Käufer mit Blick auf die Gesetzesänderung ihre Absichten zwischendurch „auf Eis gelegt“ hatten.
Die Folge ist in jedem Fall eine willkommene Dynamisierung des Marktes, der sich über einige Jahre recht träge dahingeschleppt hat. Zumal die Kreditzinsen ungeachtet der mehrfachen Leitzinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin wie zementiert zwischen drei und vier Prozent verharren.
Regierung in Namur mitentscheidend
Dennoch… Die Branche erachtet die jüngsten Erhebungen durchaus als vorsichtigen Vertrauensvorschuss auf ein ermutigende(re)s Jahr 2026. „Dass die Käufer sich wieder trauen, ist in jedem Fall ein wichtiges Signal“, so Sophie Maquet als Sprecherin von FedNot.
Im Rückgriff auf die Zahlen steigt der Preis eines Hauses in Belgien im Schnitt auf 275.862 €, ein Mehrwert von 4.532 €. Wogegen der Zugewinn in der Wallonie klar höher liegt - mit einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 11.421 € auf 209.952 € (und somit erstmals über der „Schallmauer“ von 200.000 €). Vor allem im Vergleich zu Flandern mehr als eine Verdreifachung des Zugewinns, der im nördlichen Landesteil bei „nur“ 3.578 € liegt (bei einem Schnittpreis von 286.152 €).
Sicherlich für manchen ein wenig überraschend, dass vornehmlich die Provinz Luxemburg diesen ungeahnten und satten Preisanstieg zu „verantworten“ hat.
Bis dato oftmals als das „grüne“ Aschenputtel auf dem belgischen Immobilienmarkt angesehen (wenngleich stets deutlich vor dem Hennegau), verzeichnet die Ardennenprovinz ein Plus von 21 Prozent bei den notariellen Verkäufen - lediglich übertroffen von 25,3 Prozent in der Provinz Wallonisch-Brabant (was aber grundsätzlich keine Überraschung darstellen dürfte).
Genehmigungen im Abwärtstrend
Die Zahlen bereiten Sorgen… Zu Recht! Nachdem die Baugenehmigungen bereits vor Jahresfrist „in den Keller gerauscht“ waren, droht derzeit eine ähnliche starke Winterdepression. Ein Blick zurück: Im Vorjahr stellten die 44.195 genehmigten Dossiers das niedrigste Ergebnis seit rund zwanzig Jahren dar. Damit nicht genug! Der Trend verstärkt noch die Negativdynamik - mit einem Minus von rund 3000 Genehmigungen zur Jahresmitte. Bis dahin waren es genau 20.160 Genehmigungen, die für „habitation residentielle“ erteilt worden waren (fußend auf den Erhebungen von Statbel vor wenigen Wochen). Eine Zahl, die zuletzt 1998 mit damals gar nur 18.641 Genehmigungen ähnlich mager ausfiel. Hierbei fielen in den ersten sechs Monaten 10.729 Dossiers auf Appartements gegenüber 9.431 für Einfamilienhäuser. Auch die Genehmigungen für Sanierung/Renovierung sind im Abwärtstrend. Mit 12.632 Dossiers im Erhebungszeitraum gleichfalls rund 1000 weniger als im Vorjahr. Der niedrigste Stand seit dreizehn Jahren - also nach dem damals erkennbaren (Wieder)aufschwung im Nachgang zur Banken- und Immobilienkrise.

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