Stewardessen bei Brussels Airlines fristlos gekündigt – Streit um Prinzip „Not fit to fly“

<p>Eine Maschine von Brussels Airlines rollt über den Landesflughafen in Zaventem: Die Fluggesellschaft hat drei Stewardessen nach „Ungeziefer-Alarm“ gefeuert.</p>
Eine Maschine von Brussels Airlines rollt über den Landesflughafen in Zaventem: Die Fluggesellschaft hat drei Stewardessen nach „Ungeziefer-Alarm“ gefeuert. | Foto: afp

Das Reinigungspersonal hatte beim Check vor dem Abflug „verdächtige Spuren“ entdeckt – vermutlich Bettwanzen, Flöhe oder Kakerlaken. Zwar bestätigte ein externer Experte wenig später, dass es sich um ein falsches Alarmsignal gehandelt habe, doch die Crew war nicht beruhigt. „Wir wollten eine gründliche Desinfizierung des Flugzeugs – das hätte aber mehrere Stunden Verzögerung bedeutet“, schildert ein Beteiligter gegenüber der flämischen Zeitung „Het Laatste Nieuws“.

Zwei Crewmitglieder ließen sich überzeugen, drei andere – darunter zwei leitende Flugbegleiterinnen – weigerten sich strikt. Sie beriefen sich auf das international anerkannte Prinzip „Not fit to fly“, das Kabinenpersonal erlaubt, den Dienst zu verweigern, wenn es sich mental oder physisch nicht in der Lage fühlt.

Fristlos entlassen – medizinische Hilfe notwendig

Das Management reagierte hart: Am Montag wurden die drei Stewardessen zum Gespräch bestellt und sofort fristlos gekündigt. Brussels-Airlines-Sprecher Nico Cardone begründete die Maßnahme mit einer „flagranten Verletzung interner Regeln“, die dem Unternehmen erheblichen Schaden zugefügt habe. „Die ‚Not fit to fly‘-Prozedur darf nicht willkürlich angewandt werden“, betonte er.

Für die betroffenen Frauen kam die Entscheidung einem Schock gleich. Eine von ihnen brach unter dem Vorwurf der Insubordination zusammen – medizinische Hilfe musste gerufen werden.

„Brussels Airlines sieht ‚Not fit to fly‘ als Last.“

Die Gewerkschaften reagierten empört. „Es geht nicht um ein paar Insekten, sondern um Sicherheit“, kritisierte Olivier Van Camp von der sozialistischen Angestelltengewerkschaft Setca. „Wer sich nicht sicher fühlt, darf nicht fliegen – das ist ihre Pflicht. Mit diesem Vorgehen untergräbt die Airline ein fundamentales Sicherheitsprinzip.“

Van Camp, selbst 25 Jahre Kabinencrew, warnte vor den Folgen: „Ungeziefer an Bord ist kein Nebenschauplatz. Das betrifft die öffentliche Gesundheit – und man trägt es buchstäblich nach Hause.“ Er wirft dem Unternehmen Kostendruck vor: „Brussels Airlines sieht ‚Not fit to fly‘ als Last. Die Zahl der Stand-by-Leute wurde reduziert, weil das Geld kostet.“

Besonders schwer wiege, dass zwei der drei Entlassenen alleinerziehende Mütter seien. „Das ist ein Exempel. Wer traut sich jetzt noch, ‚Not fit to fly‘ zu melden? Wir als Gewerkschaft akzeptieren das nicht. Wenn wir vor Gericht ziehen, gewinnen wir mit Leichtigkeit. Die internationalen Regeln sind eindeutig.“

Drohende Eskalation vor der Herbstferienwoche

Auch die christliche Gewerkschaft CSC spricht von einer zunehmend „einschüchternden Atmosphäre“ im Unternehmen. Ein eiliger Krisengipfel mit der Unternehmensführung blieb ohne Ergebnis. Mit Blick auf die nahenden Herbstferien, in denen traditionell viele Passagiere fliegen, schließen die Gewerkschaften Protestaktionen bis hin zum Streik nicht aus.

„Die Unzufriedenheit in der Belegschaft ist enorm“, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Ob Brussels Airlines die Kündigungen zurücknimmt, wird entscheidend dafür sein, ob der Konflikt eskaliert. (calü)

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