Vor Beginn der Plenarsitzung im PDG trafen die Gäste zu einem Pressegespräch mit den Medien zusammen. Claude Wiseler sprach dort von einem „Austausch unter Freunden“, bevor er später auch kurz zu Beginn der Plenarsitzung das Wort ergriff. Zwei Themen hätten bei dem Treffen im Mittelpunkt gestanden: der Bürgerdialog und ein Demokratie-„Stresstest“, den man in Luxemburg derzeit durchführt.
Beim Bürgerdialog schaue man im Großherzogtum zurzeit auf verschiedene Modelle in Europa. Auch die DG habe dabei interessante Erfahrungen eingebracht. Das DG-Modell hat in Belgien und darüber hinaus Aufmerksamkeit erregt. Als zweites Kernthema nannte Wiseler den „Stresstest“ der Demokratie, den Luxemburg derzeit erarbeite. Ziel sei es, zu prüfen, ob die demokratischen Strukturen im Land auch dann Bestand hätten, wenn eine künftige Regierung die Demokratie „außer Kraft setzen“ wolle. „Wir wollen garantieren, dass das nicht passiert“, erklärte der Parlamentspräsident.

Neben den Gesprächen im PDG war die Delegation im Robert-Schuman-Institut (RSI) in Eupen zu Gast. Dort stand die Berufsausbildung im Zentrum. Besonders vorgestellt wurde die neue Studienrichtung Sicherheit & Prävention. In diesem Zweig werden Schüler auf Tätigkeiten bei Polizei, Feuerwehr, Armee sowie in Rettungs- und Sicherheitsdiensten vorbereitet. Für die luxemburgischen Gäste war dies ein Beispiel für praxisorientierte Ausbildung, die auch im Nachbarland von großem Interesse ist. Dass Luxemburg und die Deutschsprachige Gemeinschaft eng miteinander verbunden sind, zeigt sich auch im Alltag. Vor allem die Eifel ist stark auf das Großherzogtum ausgerichtet – als Arbeitsplatz, aber auch als Einkaufsort. Ende März 2024 pendelten 4.660 Arbeitnehmer aus der DG nach Luxemburg, dazu kommen noch rund 180 Selbstständige, wie aus Zahlen der luxemburgischen „Inspection générale de la sécurité sociale“ (Generaldirektion für soziale Sicherheit) hervorgeht. Damit sind es insgesamt knapp 4.840 Beschäftigte. Die meisten von ihnen arbeiten im Bausektor (26 %) oder im Handel (23 %). Deutlich an Bedeutung gewonnen hat seit 15 Jahren das Gesundheits- und Sozialwesen, während die relative Bedeutung des Baugewerbes leicht zurückgegangen ist. In absoluten Zahlen ist die Zahl der Grenzgänger aber in fast allen Sektoren gestiegen. Bemerkenswert ist zudem die Altersstruktur: Rund 31 Prozent der Ostbelgier, die in Luxemburg arbeiten, sind inzwischen über 50 Jahre alt. Der Frauenanteil liegt dagegen mit 35 Prozent deutlich unter dem Anteil in Belgien selbst (49 Prozent).

PDG-Präsidentin Patricia Creutz (CSP) sprach zum Abschluss des Besuchs von einer „runden Sache“. Der Austausch mit Luxemburg sei ein Gewinn für beide Seiten, nicht zuletzt wegen der engen Alltagsverbindungen. Für die Delegationen bot der Tag in Eupen die Gelegenheit, sowohl über große Fragen der Demokratie als auch über ganz konkrete Themen wie Ausbildung und Grenzpendler ins Gespräch zu kommen.

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