Der Bedarf ist groß: Neun von zehn Betrieben haben aktuell oder hatten bereits Mitarbeitende, die langfristig krankgeschrieben waren. Zwar haben 63 Prozent der befragten Firmen schon mindestens einen Langzeiterkrankten wiedereingegliedert, doch meist ohne ein klares Konzept. Nur 12,5 Prozent verfügen über eine vollständig strukturierte Rückkehrpolitik, 61,7 Prozent haben lediglich einen Teilplan, während 25,7 Prozent gar keine Strategie vorweisen können.
Hürden und Kritik an der Gesetzgebung
Vor allem die als zu komplex empfundene Gesetzgebung erweist sich als Stolperstein: Mehr als ein Drittel der Arbeitgeber (35,4 Prozent) findet die Vorgaben „zu unklar“, um sie wirksam umzusetzen. Hinzu kommen praktische Probleme: Laut Studie nennen die Betriebe mangelnde Motivation der Betroffenen (52,9 Prozent), fehlende Zeit und Ressourcen sowie eine Mehrbelastung für die Kollegen.
„Viele Arbeitgeber wollen sich der Wiedereingliederung stellen, finden sich aber im Regelwerk nicht zurecht“, erklärt Laura Couchard, Rechtsexpertin bei Acerta Consult. „Arbeit kann den Genesungsprozess fördern – wenn sie an die Fähigkeiten des Mitarbeiters angepasst wird. Doch die Umsetzung ist kompliziert und voller Hürden.“
Frühzeitiger Kontakt entscheidend
Acerta rät Unternehmen dazu, ihre Abläufe klarer zu strukturieren: Wer nimmt wann Kontakt mit dem erkrankten Mitarbeiter auf? Welche Rolle spielt der Arbeitsmediziner? Solche Fragen sollten in einer offiziellen Wiedereingliederungspolitik geregelt sein.
Dass dieser Kontakt entscheidend ist, zeigt auch die Studie: Regelmäßiger Austausch erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Rückkehr deutlich. Dennoch warten fast die Hälfte der Arbeitgeber (48,2 Prozent) zwischen einem und drei Monaten, bevor sie erstmals Kontakt mit einem erkrankten Mitarbeiter aufnehmen. (belga/calü)

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