Besonders gefährdet sind Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Von ihnen leben 33,3 Prozent in Armut oder sozialer Ausgrenzung, während dieser Anteil bei Personen mit einem Hochschulabschluss nur 9,1 Prozent beträgt. Auch Erwerbslose (68,5 Prozent) und Nichterwerbstätige (42,1 Prozent) sind weitaus stärker betroffen als Berufstätige, bei denen das Risiko lediglich 6,4 Prozent ausmacht. Ein-Eltern-Haushalte zählen ebenfalls zu den besonders verletzlichen Gruppen: 38,3 Prozent von ihnen leben in einer prekären Situation.
Massive regionale Unterschiede festgestellt.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zudem zwischen den Landesteilen. In Brüssel ist mit 37,3 Prozent mehr als ein Drittel der Einwohner von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In der Wallonie liegt der Anteil bei 21,8 Prozent, in Flandern bei 12,9 Prozent.
Statbel definiert das Risiko von Armut oder sozialer Ausgrenzung anhand von drei Kriterien. Das erste ist die monetäre Armut: 11,4 Prozent der Belgier verfügten 2024 über ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Diese liegt bei 1.522 Euro im Monat für Alleinstehende und bei 3.197 Euro für ein Paar mit zwei Kindern.
Zweitens gilt eine geringe Arbeitsintensität als Risikofaktor. Ein Haushalt wird als solcher eingestuft, wenn die Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter weniger als 20 Prozent ihres Arbeitsvermögens innerhalb eines Jahres genutzt haben. Im Jahr 2024 traf das auf 11,4 Prozent der Bevölkerung zu.
Drittens misst Statbel die materielle und soziale Entbehrung. Davon ist die Rede, wenn sich Menschen mindestens sieben von dreizehn grundlegenden Dingen nicht leisten können – etwa pünktlich Rechnungen zu bezahlen, in den Urlaub zu fahren, beschädigte Möbel zu ersetzen oder an Freizeitaktivitäten teilzunehmen. Im vergangenen Jahr war das bei 6,2 Prozent der Belgier der Fall.
„Armut ist mehr als nur eine Frage des Einkommens“, betont Statbel. „Sie betrifft auch den Zugang zu stabiler Beschäftigung, die regelmäßige und ausreichende finanzielle Mittel sichert, damit menschenwürdiges Wohnen, Gesundheitsversorgung und soziale Teilhabe möglich sind.“ (belga/svm)

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