Erleichterung in Nahost – Hamas: Krieg beendet

<p>Einige vertriebene Palästinenser versammelten sich am Donnerstag auf der Küstenstraße in der Nähe von Wadi Gaza, nachdem bekannt wurde, dass Israel und die Hamas sich auf die erste Phase eines Friedensplans zur Unterbrechung der Kämpfe geeinigt haben.</p>
Einige vertriebene Palästinenser versammelten sich am Donnerstag auf der Küstenstraße in der Nähe von Wadi Gaza, nachdem bekannt wurde, dass Israel und die Hamas sich auf die erste Phase eines Friedensplans zur Unterbrechung der Kämpfe geeinigt haben. | Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas sieht den Gaza-Krieg als beendet an. „Wir haben Garantien von den Vermittlern und der US-Regierung erhalten und alle haben bestätigt, dass der Krieg vollständig vorbei ist“, sagte der höchste Hamas-Anführer im Ausland, Chalil al-Haja, in einer Fernsehansprache am Donnerstagabend. Al-Haja ist auch der Leiter der Verhandlungsdelegation der Hamas bei den Gesprächen über eine Feuerpause.

Die Hamas habe „eine Antwort gegeben, die den Interessen des palästinensischen Volkes dient und Blutvergießen erspart“, sagte al-Haja zur Zustimmung zu der Vereinbarung auf Grundlage des US-Friedensplans. „Wir bekräftigen, dass die Opfer unseres Volkes nicht umsonst sein werden und dass wir unserem Versprechen treu bleiben und die nationalen Rechte unseres Volkes nicht aufgeben werden: Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu erlangen.“

Die Hamas werde weiterhin mit nationalen und islamischen Fraktionen zusammenarbeiten, um die Gründung eines unabhängigen Staates mit Jerusalem als Hauptstadt zu verwirklichen.

Zuvor hatten Israel und die Terrororganisation Hamas in einem als „historisch“ gefeierten Moment der ersten Phase des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump zugestimmt. Trump bezeichnete das Abkommen als ersten Schritt „hin zu einem starken, dauerhaften und ewigen Frieden. Alle Parteien werden fair behandelt!“, schrieb er auf der Plattform Truth Social.

Das Abkommen sieht vor, dass alle 48 israelischen Geiseln binnen 72 Stunden freikommen oder ihre Leichen in die Heimat übergeführt werden, rund 2.000 palästinensische Häftlinge freigelassen werden und sich Israel auf eine bestimmte Linie zurückzieht. Eine Waffenruhe sollte nach Billigung der Übereinkunft durch das israelische Kabinett in Kraft treten. „Wir alle haben schon viel zu lange auf diesen Moment gewartet. Jetzt müssen wir es hinbekommen, dass er wirklich zählt“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres.

Die israelische Regierung wollte noch am späten Donnerstagabend das endgültige grüne Licht geben. Von diesem Zeitpunkt an würden auch die vereinbarten Fristen laufen.

Freude in Israel und dem Gazastreifen

– aber auch Sorge

In Israel sorgte die Einigung für große Freude. Auf dem „Platz der Geiseln“ im Zentrum von Tel Aviv versammelten sich zahlreiche Menschen. Es wurde gejubelt, gesungen, getanzt und geklatscht. Einige schwenkten israelische und US-Flaggen. „Alle von ihnen – jetzt!“, riefen sie zudem. Bei vielen ist die Erleichterung auch von Vorsicht begleitet. „Wir sind auch immer noch angespannt und hoffen, dass alles so läuft wie geplant“, sagte ein Israeli.

Im Gazastreifen rief die Nachricht über einen Durchbruch große Emotionen hervor. „Meine erste Reaktion war, hemmungslos zu weinen“, sagte ein Palästinenser. Er fühle nun Freude, aber auch Trauer – vor allem wegen der Angehörigen, die er in dem zwei Jahre dauernden Krieg verloren habe.

Auch außerhalb Israels sorgte die Nachricht über die Einigung für Optimismus. Belgiens Außenminister Maxime Prévot (Les Engagés) reagierte mit Hoffnung, aber auch Vorsicht auf die angekündigte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. „Wir waren einem Friedensabkommen noch nie so nah“, sagte er im Interview mit der RTBF, mahnte jedoch zur Zurückhaltung, da frühere Abkommen gescheitert seien. Zur Rolle von Donald Trump meinte Prévot, dessen Diplomatie habe zwar zur Beendigung mancher Konflikte beigetragen, garantiere aber keinen dauerhaften Frieden. Vorrang habe nun die Beendigung der humanitären Blockade. Eine Lockerung der belgischen Haltung gegenüber Israel lehnt Prévot ab: Ein neues Abkommen zwischen Föderalstaat und Regionen soll sicherstellen, dass keine Waffen oder Dual-Use-Güter über Belgien nach Israel exportiert oder weitergeleitet werden.

Spitzenvertreter der EU kündigten nach dem Durchbruch bei den Verhandlungen Hilfe an. Die EU werde weiterhin die schnelle und sichere Lieferung humanitärer Hilfe in den Gazastreifen unterstützen, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit. Und wenn die Zeit reif dafür sei, werde die EU auch bereitstehen, um den Wiederaufbau zu unterstützen.

Die Konfliktparteien forderte von der Leyen auf, die getroffene Vereinbarung vollständig einzuhalten. „Die heutige Chance muss genutzt werden“, schrieb sie in sozialen Netzwerken. Sie sei eine Gelegenheit, einen glaubwürdigen politischen Weg hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit mit einer Zweistaatenlösung einzuschlagen.

Arabische Länder drückten ihre Hoffnung auf Stabilität aus. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach von einem „historischen Moment“. Das Abkommen schließe nicht nur das Kapitel des Kriegs. „Es öffnet auch das Tor der Hoffnung für die Völker der Region – für eine Zukunft, die von Gerechtigkeit und Stabilität geprägt ist“, so al-Sisi in einem Post auf X.

Auch Saudi-Arabien begrüßte die Einigung und lobte die Bemühungen von Trump und der anderen Vermittler, wie das Außenministerium erklärte. Der einflussreiche Golfstaat hoffe, dass die Menschen im Gazastreifen nun schnell Hilfe erhielten. Israel müsse sich vollständig zurückziehen, damit Sicherheit und Stabilität wiederhergestellt werden könnten. (dpa/ab/nc)

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