Immer mehr Belgier nutzen konventionierte psychologische Hilfe

<p>In manchen Lebenssituationen kann ein Gespräch mit Psychotherapeuten oder Psychiatern helfen - die Kosten dafür sind unter Umständen absetzbar.</p>
In manchen Lebenssituationen kann ein Gespräch mit Psychotherapeuten oder Psychiatern helfen - die Kosten dafür sind unter Umständen absetzbar. | Foto: Christin Klose/dpa

2019 hatten das Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (Likiv/Inami) und die Netzwerke für psychische Gesundheit eine Vereinbarung geschlossen, um den Zugang zu psychologischer Hilfe zu verbessern. Anfangs richtete sich das Angebot an Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren. 2021 wurde die Reform deutlich ausgeweitet: Nun profitieren auch Kinder, Jugendliche und Senioren von der Unterstützung. Gleichzeitig wurden die Regelungen vereinfacht und die Zahl der Netzwerke erhöht.

Fast eine halbe Million Nutzer

Die Christliche Krankenkasse untersuchte die Entwicklung zwischen 2019 und 2024. In dieser Zeit nahmen fast 500.000 Menschen konventionierte psychologische Hilfe in Anspruch. Jährlich steigt die Zahl weiter: 2022 waren es 113.578 Personen (rund ein Prozent der Bevölkerung), 2024 bereits 282.937 (2,5 Prozent).

Besonders stark vertreten sind Gruppen, die statistisch ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme haben. So nutzten 3,9 Prozent der 20- bis 29-Jährigen das Angebot, 3,2 Prozent der Frauen – im Vergleich zu 1,8 Prozent der Männer – und 3,1 Prozent der Menschen mit erhöhter Kostenübernahme.

Ein bemerkenswerter Befund: Immer mehr Patienten suchen erstmals psychologische Hilfe. Während 2019 noch 37 Prozent der Nutzer zuvor keinerlei psychologische Betreuung hatten, stieg dieser Anteil bis 2024 auf 56 Prozent.

CKK-Vorsitzender Luc Van Gorp erklärt den Erfolg auch damit, dass Psychologen gezielt an Orten präsent sind, an denen sich besonders belastete Gruppen aufhalten. „Das sind zum Beispiel Schulen, Sportvereine oder Jugendhäuser, aber auch Pflegeheime oder medizinische Zentren“, so Van Gorp. 2024 fand bereits mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Sitzungen an solchen sogenannten Vindplaatsen statt – gegenüber nur 13 Prozent im Jahr 2022.

Regionale Unterschiede bleiben

Die Studie zeigt allerdings auch deutliche geografische Unterschiede. Während manche Regionen über ein gutes Angebot verfügen, ist die Versorgung in anderen Landesteilen noch lückenhaft.

Die CKK fordert daher, die Vereinbarung weiter auszubauen. „Wir haben einen wichtigen Schritt in Sachen Zugänglichkeit gemacht“, so Van Gorp. „Aber noch immer können nicht alle Menschen unabhängig von Wohnort oder Hintergrund in zumutbarer Nähe psychologische Hilfe bekommen.“

Auch der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) sieht die Entwicklung positiv: „Die Reform der psychologischen Erstversorgung ist noch jung, aber die Ergebnisse zeigen klar, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unser Ziel ist es, dieses Modell in dieser Legislaturperiode dauerhaft zu verankern.“ (belga/calü)

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