Vor der Zentralverwaltung der Gefängnisse in Brüssel versammelten sich rund hundert Personen. Auch Mathilde Steenbergen, Generaldirektorin des Strafvollzugs, kam nach draußen, um ihre Solidarität zu zeigen.
„Es ist das erste Mal, dass wir aus der Verwaltung selbst heraus protestieren – das zeigt, wie verzweifelt wir sind“, erklärte Steenbergen. „Für unser Personal ist die Situation nicht mehr tragbar. Eine solche Überbelegung wie heute haben wir noch nie erlebt.“ Sie forderte daher auch Sofortmaßnahmen, solange die Wirkung struktureller Lösungen noch nicht sichtbar sei.
Gleichzeitig äußerte Steenbergen Vertrauen in Justizministerin Annelies Verlinden (CD&V) und begrüßte das im Juli verabschiedete Notgesetz. Es handle sich um ein komplexes Problem, das die Justiz nicht allein lösen könne, sondern auch die Bereiche Gesundheit sowie Asyl und Migration betreffe. „Wir haben viele Gefangene ohne festen Wohnsitz, daher muss die gesamte Regierung ihren Beitrag leisten“, so Steenbergen.
Das Personal hängte Plakate mit dem Slogan „Überbelegung ist unsicher – heute für uns, morgen für Sie“ auf. Gegen 14.40 Uhr nahmen die Mitarbeiter ihre Arbeit wieder auf.
Vor dem Gefängnis von Haren versammelten sich am Donnerstag rund 200 Menschen zur Unterstützung der Aktion. Für Gefängnisdirektor Jurgen Van Poecke ist die Lage unhaltbar: „Es handelt sich hier nicht um eine ideologische Frage, sondern um einen Hilfeschrei. Unter den aktuellen Bedingungen können wir so nicht mehr arbeiten“, betonte er. „Vor allem die Tausenden von internierten Personen und Gefangenen ohne festen Wohnsitz gehören hier nicht hin. Wir müssen ständig die Türen offenhalten, aber wir schaffen das nicht mehr.“
In Haren verteilten die Demonstrierenden zudem Sardinenbüchsen mit dem Slogan „Menschlichkeit passt nicht in eine Sardinenbüchse“ – ein symbolisches Bild dafür, „wie eng und unmenschlich die Lebensbedingungen werden können, wenn die Kapazität überschritten wird“. (belga/nc)

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