Stellenabbau bei der Lufthansa: Brussels Airlines erwartet nur begrenzte Auswirkungen

<p>Ein unbesetzter Lufthansa-Counter am Frankfurter Flughafen. Der Konzern will in den kommenden Jahren rund 4.000 Verwaltungsstellen abbauen – die größte Umstrukturierung seit der Corona-Pandemie.</p>
Ein unbesetzter Lufthansa-Counter am Frankfurter Flughafen. Der Konzern will in den kommenden Jahren rund 4.000 Verwaltungsstellen abbauen – die größte Umstrukturierung seit der Corona-Pandemie. | Foto: Hannes P. Albert/dpa

Die Lufthansa will in den kommenden Jahren rund 4.000 Verwaltungsstellen streichen. Betroffen sind vor allem Jobs in Deutschland, insbesondere am Hauptsitz in Frankfurt. Für Brussels Airlines, die belgische Tochter mit knapp 3.800 Beschäftigten, wird der Schritt nach aktuellem Stand nur „begrenzte Auswirkungen“ haben. Genauere Informationen gebe es noch nicht, teilte die Fluggesellschaft am Montag mit, wie die Nachrichtenagentur Belga schreibt. Die Lufthansa-Führung stellte auf einem Investoren-Tag in München ihre Konzernpläne vor. Demnach sollen die fünf „Hub-Airlines“ – Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels Airlines und ITA – künftig zentraler gesteuert werden. Netzwerke auf der Kurz- und Mittelstrecke werden gemeinsam verwaltet, jedes Unternehmen muss ein eigenes Effizienzprogramm vorlegen. Für die Gesellschaft Brussels Airlines könnte das einerseits zusätzlichen Druck bedeuten, andererseits aber auch eine klare Bestätigung ihrer bisherigen Rolle: Insbesondere auf den Afrika-Strecken soll die belgische Airline eine Schlüsselposition behalten.

Auch in der Flottenplanung deutet sich Veränderung an: Bis 2030 könnten die Airbus-A330-Langstreckenjets durch modernere Modelle ersetzt werden. Genannt wurden Airbus A350 oder Boeing 787 – Letztere wären ein Bruch mit der Airbus-Tradition von Brussels Airlines. Für den gesamten Lufthansa-Konzern sind die Einschnitte die größte Umstrukturierung seit der Corona-Pandemie. Rund vier Prozent der Belegschaft fallen weg – nicht durch Massenentlassungen, sondern überwiegend über natürliche Abgänge. Hintergrund der Pläne ist ein umfassendes Programm zur Digitalisierung und Automatisierung. Parallel investiert die Lufthansa massiv in ihre Flotte: 230 neue Maschinen sollen bis 2030 ausgeliefert werden, darunter 100 für die Langstrecke. Damit sinken Kerosinverbrauch und Wartungskosten. Die Vielfalt der Langstreckenflotte soll von 13 auf neun Typen reduziert werden, ältere Modelle wie der Airbus A340 verschwinden.

Konzernchef Spohr kündigte zudem ehrgeizige Finanzziele an: Ab 2028 will die Lufthansa eine operative Gewinnmarge von 8 bis 10 Prozent erreichen – zuletzt lag sie bei rund 4 Prozent. Damit soll Europas größter Luftfahrtkonzern wieder zur Konkurrenz aufschließen. Die Konkurrenz wie die British-Airways-Mutter IAG ist längst in höheren Gewinnsphären unterwegs, während Lufthansa zwar immer mehr Flüge anbietet, aber kaum daran verdient. Immerhin soll im laufenden Jahr der operative Gewinn vor Sonderposten den Vorjahreswert von 1,6 Milliarden Euro deutlich übertreffen. „Wir müssen profitabler, effizienter und flexibler werden, um unseren Platz im globalen Wettbewerb zu sichern“, so Carsten Spohr. Investoren sollen künftig wieder verlässlich mit Dividenden rechnen können.

Die Strategie stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung. In Deutschland droht ein neuer Pilotenstreik, offiziell wegen Pensionsfragen, im Kern aber auch wegen der geplanten Verlagerung von Flugzeugen an günstigere Töchter wie Discover oder City Airlines. Auch die Gewerkschaft Verdi kündigte Widerstand an. Sie will einen „Kahlschlag bei Lufthansa Boden“ nicht hinnehmen. Die zum Jahresende anstehende Tarifrunde werde man zur Absicherung der Beschäftigten nutzen, kündigt Verhandlungsführer Marvin Reschinsky an. Betriebsbedingte Kündigungen könnten beispielsweise mit Modellen zur Altersteilzeit verhindert werden. Verdi kritisierte zudem die hohe Steuer- und Abgabenlast für Luftverkehr in Deutschland, die den Kern des Lufthansa-Geschäftsmodells angreife.

Eine besondere Rolle in der Strategie spielt das neue und kostengünstige Drehkreuz Rom, das vor allem Verkehre auf die südliche Halbkugel abwickeln kann. Die Direktfluggesellschaft Eurowings werde ebenso gestärkt wie die Logistik und die Wartungstochter Lufthansa Technik, die sich zunehmend als Militär-Dienstleister etabliert. (belga/dpa/sc)

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