70 Jahre KLJ: Eine Lebenschule für Ostbelgien

<p>Gruppenfoto mit den ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeitern an der Skihütte. Vorne sitzt die aktuelle Bezirksleiterin Lena Barth aus Kelmis (Zweite von links).</p>
Gruppenfoto mit den ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeitern an der Skihütte. Vorne sitzt die aktuelle Bezirksleiterin Lena Barth aus Kelmis (Zweite von links). | Foto: Lothar Klinges

Es ging zu wie bei einem großen Familienfest. Es war ein freudiges „Hallo“ und „Küsschen“ in allen Richtungen – und es dauerte nicht lange, bis die zahlreichen Gäste lebhaft Erinnerungen austauschten. Es war auch eine Art Lagerfeuer-Stimmung an der Skihütte, die sich breit machte, und dabei erlebten die Anwesenden genau die besondere Gemeinschaft, die die KLJ ausmacht. Anekdoten und Erinnerungen umrahmten das Fest. Bezirksleiterin Lena Barth aus Kelmis, die seit einem Jahr hauptamtlich in der KLJ Ostbelgien tätig ist, unterstrich die Bedeutung des Jubiläums: „Sieben Jahrzehnte KLJ Ostbelgien stehen für viele gemeinsame Erlebnisse, Freundschaften, Begegnungen, Abenteuer und unvergessliche Ferienlager.“

<p>Auch viele aktive junge Leiter/innen fanden sich zum „Familienfest“ ein, hier eine Gruppe Leiter/innen aus Weywertz.</p>
Auch viele aktive junge Leiter/innen fanden sich zum „Familienfest“ ein, hier eine Gruppe Leiter/innen aus Weywertz. | Foto: Lothar Klinges

In dieser Zeit haben unzählige Kinder und Jugendliche ihren Weg in und mit der KLJ gefunden, hob sie hervor. Dabei erinnerte sie an viele schöne Momente, die bis zum heutigen Tag nachwirken. „Viele Generationen von Ostbelgiern wurden geprägt von Gemeinschaft, Verantwortung und der Erfahrung, gemeinsam etwas zu bewegen. Uns alle verbindet das besondere Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein.“ „Im Laufe der vergangenen 70 Jahre hat die KLJ vielen Kindern und Jugendlichen wichtige Impulse und Hilfestellungen mit auf den Lebensweg gegeben und ist für viele Menschen in Ostbelgien prägend gewesen“, ergänzte Celia Marx. Die 31-jährige gebürtige Elsenbornerin, die zuvor beim Jugenddienst Streetwork arbeitete, brachte reichlich Erfahrung im pädagogischen Bereich mit und ist seit Juni 2023 hauptamtliche Bezirksleiterin der KLJ Ostbelgien. Sie wechselt nun an eine neue Arbeitsstelle. In den nächsten Monaten erhält Lena Barth eine neue Kollegin. Die KLJ Ostbelgien ist kein starrer Verein, der auf 70 Jahre zurückblickt, sondern hat sehr viel Wandel miterlebt und auch selbst bewirkt, denn gerade in der Jugendarbeit sind immer neue junge Leute gefordert, was das Bild der KLJ in den sieben Jahrzehnten stark verändert hat. Allein in den letzten drei Jahren sind mit Emmels und Schoppen-Möderscheid zwei neue Dorfgruppen hinzugekommen. „Ein starkes Zeichen, dass junge Menschen auch heute noch Lust haben, sich in der KLJ zu engagieren, Verantwortung zu tragen und das Leben im Dorf aktiv mitzugestalten“, so Lena Barth. Auch der Vorsitzende der VoG KLJ Ostbelgien, Dennis Gillessen aus Maldingen, ist beeindruckt von der Motivation und Energie in den 24 Dorfgruppen. „Unsere Jugend beweist immer wieder: KLJ ist lebendig, ist wichtig und ist Zukunft.“ Er dankte allen, die die KLJ in den sieben Jahrzehnten „getragen, geprägt und weiterentwickelt“ haben. Die Anfänge der KLJ in Ostbelgien liegen eigentlich schon 80 Jahre zurück. Unmittelbar nach Kriegsende, im Jahr 1945, bildeten sich bereits männliche Landjugend-Gruppen in Ostbelgien.

<p>Hier eine Gruppe von Leitern der KLJ Raeren Jungen</p>
Hier eine Gruppe von Leitern der KLJ Raeren Jungen | Foto: Lothar Klinges

„Jugend suchte nach den Wirren der Kriegsjahre eine neue Orientierung für Leben und Gemeinschaft“, ist in der Chronik nachzulesen. Und weiter heißt es dort: „Dies verlief nicht ohne Widerstände... Eltern warnten ihre Kinder, sich auf nichts einzulassen. Vor allem das Vertrauen auf Priester und Kirche hat es dann erlaubt, diese Schwierigkeiten zu überwinden.“ Offiziell strukturierte sich die Landjugendbewegung erst 1954-1955 mit der Ernennung des Seelsorgers Hermann Lennertz zum ersten Präses und von Martha Veithen und Anton Hardt als erste Bezirksleiter, die sich somit hauptberuflich der Aufbauarbeit der KLJ in Ostbelgien widmeten. Zwei Jahre später hatte sich dann die KLJ in Ostbelgien etabliert: Es bestanden bereits 64 Gruppen (Jungen und Mädchen waren damals getrennt) mit 880 Mitgliedern, von denen 800 beim ersten großen Bezirkstreffen am 2. Juni 1955 in Bütgenbach zusammenkamen. „Es wehte ein neuer Wind, der die Mitwirkung der Jugend für Kirche und Gesellschaft in unseren Dörfern forderte“, schrieb der Chronist. Wo die KLJ seit ihrer Gründung gewirkt, und vor allem, was sie bei mehreren Generationen von Ostbelgiern bewirkt hat, lässt sich nur schwerlich ermessen. Für frischen Wind sorgten insbesondere das Zweite Vatikanische Konzil und die rebellischen 68er Jahre. Von den klassischen Gruppenstunden unter Anleitung der Dorfgeistlichen ging man allmählich zu offenen Diskussionen über.

<p>Gespräch unter ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeitern der KLJ Ostbelgien</p>
Gespräch unter ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeitern der KLJ Ostbelgien | Foto: Lothar Klinges

Hinzu kamen sozialpolitische Themen und die Initiative zu einer Friedensrallye quer durch Ostbelgien. Am Ende der 60er Jahre sind die KLJ-Jugendlichen anstatt nach Rom oder Assisi eher nach Taizé gereist. Heute pilgern die Gruppen nach Taizé, andere in verschiedenen Etappen auf dem Jakobsweg. Der Friedensgedanke und die ökologische Bewegung waren in der KLJ präsent, wie auch das starke Bewusstsein für die Eine Welt. Viele junge Menschen haben sich bis zum heutigen Tag aus der KLJ heraus als Entwicklungshelfer engagiert. Für viele war und ist die KLJ eine Lebensschule. Die Initiative der Weltläden geht ebenfalls auf die KLJ zurück. Als christlich geprägte Jugendbewegung hat sie in vielen Lebensbereichen Visionen formuliert, Hilfestellung geboten, Selbstverwirklichung gefördert, Gemeinsamkeit herausgestellt und auch Auseinandersetzungen nicht gescheut. „Sehen, urteilen, handeln“, war die bewährte Methode nach Kardinal Cardijn, mit der die KLJ in 70 Jahren sicherlich zu Wandel und Entwicklung in Ostbelgien und darüber hinaus auf kirchlicher, sozialer, politischer und kultureller Ebene beigetragen hat. So sind viele der früheren Leiter(innen) und Kerngruppenmitglieder heute in verantwortungsvoller Stellung im Beruf oder im öffentlichen Leben engagiert. 70 Jahre KLJ ist auch ein Stück Kulturgeschichte. Tätig ist die KLJ übrigens in vielen Bereichen: vor allem als Dorfgruppe mit diversen Altersgruppen, bei Dekanats- und Bezirkstreffen, mit Studientagen, Schulendtagen, mit Aus- und Weiterbildungen für Leiter, mit Schulungstagen für Leiterräte, auf regionaler Ebene in der Schukod „re-action“ und KL-Junity bis hin zu Entwicklungshilfe-Aktionen, EU-Austauschprojekten und Solidaritätsreisen.

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