Dutzende Demonstranten versammelten sich am Universitätscampus Place du 20 Août, um gegen die Gedenkfeier für den früheren Politiker Jean Gol und das 20-jährige Bestehen des parteinahen „Centre Jean Gol“ zu protestieren.
Die Stimmung vor Ort war aufgeheizt: Antifaschistische und pro-palästinensische Parolen, das Werfen von Gegenständen, Böller – die MR-Gäste wurden in einem regelrechten Spießrutenlauf empfangen.
MR-Chef Georges-Louis Bouchez selbst ließ sich nicht aufhalten. Über einen Nebeneingang gelangte er schließlich in die Räumlichkeiten der Universität Lüttich (ULiège). „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen. Sie werden uns nicht zum Schweigen bringen“, erklärte er anschließend kämpferisch. Der Parteichef sprach von „inakzeptablen Angriffen“. Er berichtete von einer Person, die ins Gesicht geschlagen wurde, sowie von Beleidigungen und anstößigen Gesten. „Die Linke hat das Monopol der Gewalt“, warf Bouchez seinen politischen Gegnern vor und kritisierte deren Schweigen angesichts der Angriffe auf ihn und seine Partei.

Gegen 22 Uhr löste sich die letzte Gruppe von rund hundert Demonstranten schließlich auf, wie die örtliche Polizei mitteilte. Damit war die Lage wieder unter Kontrolle. Zuvor hatten sich nach Polizeiangaben etwa 400 Personen versammelt, um gegen eine Veranstaltung der MR zu protestieren. Die Föderalpolizei unterstützte die Einsatzkräfte vor Ort mit einer Reserveeinheit und einem Wasserwerfer. Während des Abends kam es laut Polizei zu Körperverletzungen, tätlichen Angriffen und Sachbeschädigungen. Es sollen unter anderem zwölf Beamte verletzt worden sein. Eine Untersuchung wurde eingeleitet, um die Verantwortlichen zu identifizieren, unter anderem mithilfe von Videoaufnahmen.
Die MR hatte am Donnerstagabend eine Gedenkveranstaltung zu Ehren von Jean Gol organisiert – dem früheren Vorsitzenden der Vorgängerpartei PRL, der am 18. September 1995 verstorben war. Zugleich wurde das 20-jährige Bestehen des parteieigenen Thinktanks „Centre Jean Gol“ gefeiert.
Mehrere Kollektive hatten zu Protesten aufgerufen. Sie kritisierten insbesondere die Haltung der Liberalen zum Krieg in Gaza und warfen der Partei eine zunehmende Nähe zur extremen Rechten vor. (belga/mcfly/calü)

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