47 Belgier bei der Leichtathletik-WM: Alle Hoffnungen ruhen auf Königin Nafi

<p>In den vergangenen zehn Jahren wurde Nafi Thiam nur einmal geschlagen. Kein Wunder, dass sie auch diesmal als große Favoritin in den WM-Siebenkampf startet.</p>
In den vergangenen zehn Jahren wurde Nafi Thiam nur einmal geschlagen. Kein Wunder, dass sie auch diesmal als große Favoritin in den WM-Siebenkampf startet. | Fotos: Photo News

Die Fragen und Antworten zum Mega-Event in der japanischen Hauptstadt.


Was steht an?


Ein Jubiläum, denn in Japan steigen nun schon die 20. Weltmeisterschaften der Leichtathleten – und zwar im beeindruckenden Nationalstadion von Tokio mit Platz für knapp 70.000 Fans. Vom 13. bis 21. September geht es für rund 2.000 Athleten und Athletinnen 49 Mal um Gold, Silber und Bronze (jeweils 24 Disziplinen bei den Männern und Frauen, dazu die Mixed-Staffel über 4x400 m). Tokio ist zum zweiten Mal nach 1991 WM-Gastgeber.


Wen schickt Belgien ins Rennen?


Nicht weniger als 47 Athletinnen und Athleten – so viele wie nie zuvor bei einer WM (siehe unten). Vor allem die fünf Staffeln tragen ihren Teil zu der hohen Zahl bei. Ilona Masson (Dreisprung), Yanla Ndijp-Nyemeck (100 Meter Hürden), Jana Van Lent (5.000 Meter und 10.000 Meter), Jente Hauttekeete (Zehnkampf) sowie Daniel Segers (400 Meter) feiern ihre WM-Debüts. 18 Belgier und Belgierinnen waren bereits bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren in Tokio.


Auf wen ruhen die Hoffnungen?


Die größten Medaillenhoffnungen lasten natürlich auf Nafissatou Thiams Schultern. Wie könnte es auch anders sein? Olympiasiegerin 2016, 2021 und 2024, Weltmeisterin 2017 und 2022, Europameisterin 2018, 2022 und 2024 – in den vergangenen zehn Jahren schrammte sie bei einem der drei größten Turniere nur ein einziges Mal an einer Goldmedaille vorbei, als sie sich 2019 in Doha der Amerikanerin Katarina Johnson-Thompson geschlagen geben musste. Zuletzt nahm sie Ende August beim Mémorial Van Damme im König-Baudouin-Stadion ein Bad in der Menge.


Wer steht ansonsten im Mittelpunkt?


Mit Thiams Siebenkampf-Konkurrentin Noor Vidts (Olympiabronze in Paris) sowie Marathon-Silbergewinner Bashir Abdi fehlen zwei belgische Stars verletzungsbedingt. Somit richten sich die Blicke neben Nafi Thiam vor allem auf die Staffeln. Die „Belgian Tornados“ (4x400 Meter Herren) landeten 2019 und 2022 jeweils als Dritte auf dem Podium, zudem unterboten Daniel Segers, Alexander Doom und unlängst beim Mémorial Dylan Borlée die magische Marke von 45 Sekunden. Auch den „Cheetahs“ (4x400 Meter Damen), die ohne Cynthia Bolingo antreten, werden mindestens Finalchancen eingeräumt. Die Mixed-Staffel landete bei Paris-Spielen vergangenes Jahr noch auf dem undankbaren vierten Platz und visiert nun eine Medaille an. Bei den Einzelsportlern könnten Hallen-Vizeeuropameister Eliott Crestan über 800 Meter, Isaac Kimeli über 5.000 Meter und Stabhochspringer Ben Broeders für Überraschungen sorgen.

<p>Jonathan Sacoor, Alexander Doom, Dylan Borlée und Robin Vanderbemden (v.l.n.r.) sprinten mit den „Tornados“.</p>
Jonathan Sacoor, Alexander Doom, Dylan Borlée und Robin Vanderbemden (v.l.n.r.) sprinten mit den „Tornados“. | Photo News


Wer sind die internationalen Stars?


Ein neuer Usain Bolt ist weiter nicht in Sicht, aber Ausnahmekönner wie Sprinter Noah Lyles (USA), Stabhochsprung-Überflieger Armand „Mondo“ Duplantis (Schweden) oder Hürden-Ass Karsten Warholm (Norwegen) sind immer für eine spektakuläre Show gut. Große Emotionen verspricht zudem der Abschied von Sprinterin Shelly-Ann Fraser-Pryce, die Jamaikanerin – dreimalige Olympiasiegerin und zehnmalige Weltmeisterin – beendet nach den Titelkämpfen ihre große Karriere.

Dürfen die Russen

mitmachen?


Nein. Im Gegensatz zu anderen Sportarten, wie etwa zuletzt beim Schwimmen, bleibt der Leichtathletik-Weltverband World Athletics (WA) hart und schließt sämtliche Athleten, Betreuer und Offizielle aus Russland und Belarus wegen des Angriffs auf die Ukraine aus. Auch „neutrale Athleten“ dürfen bei der WM nicht starten. Damit stellt sich WA-Präsident Sebastian Coe weiter gegen die Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitees, Russen und Belarussen unter bestimmten Bedingungen wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen zu lassen.


Worüber wird getuschelt?


Die kurzfristige Einführung von Gentests für alle Athletinnen, die in Tokio an den Start gehen wollen, hat für ordentlich Wirbel gesorgt. WA-Präsident Coe will durch die neue Regel die „Integrität des Frauensports“ schützen und fördern: „Wir sagen, dass man auf Elite-Niveau, um in der Frauenkategorie anzutreten, biologisch weiblich sein muss.“ Doch es gibt auch Kritik. Weitspringerin Malaika Mihambo aus Deutschland bezeichnete die „in kürzester Zeit“ angekündigte Maßnahme als „juristisch fragwürdig, ethisch heikel und wissenschaftlich verkürzt.“


Was können die Athleten verdienen?


Der Weltverband zahlt erneut für die ersten acht Plätze Preisgelder aus. Für Gold beträgt die Prämie 70.000 US-Dollar (rund 60.200 Euro), für Silber 35.000 Dollar und für Bronze 22.000 Dollar. Der achte Platz wird noch mit 5.000 Dollar belohnt. Darüber hinaus gibt es eine Weltrekord-Prämie in Höhe von 100.000 Dollar. Auch für die Staffeln gibt es Preisgelder, die Sieger erhalten hier 80.000 Dollar.


Wie überträgt das TV?


Wegen der Zeitverschiebung fallen die meisten Entscheidungen am frühen Nachmittag unserer Zeit. La Une und Tipik auf französischsprachiger sowie VRT 1 und VRT Canvas auf flämischer Seite übertragen rund um die Mittagsstunden im TV. Im Webstream läuft zudem die gesamte WM bei Auvio und Sporza. ARD und ZDF berichten ebenfalls ausführlich live aus Tokio im TV und im Livestream über die Mediatheken. Hinzu kommen weitere On-Demand-Angebote wie Highlights, Zusammenfassungen und Hintergründe. Auch bei Eurosport laufen die Wettkämpfe live. (sid/tf)

Die belgische Delegation bei der Leichtathletik-WM

47 belgische Athletinnen und Athleten (20 Frauen, 27 Männer) gehen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Tokio an den Start.

Frauen

100 Meter: Rani Rosius

200 Meter: Imke Vervaet

5.000 Meter: Elise Vanderelst, Jana Van Lent

10.000 Meter: Jana Van Lent

100 Meter Hürden: Yanla Ndjip-Nyemeck

400 Meter Hürden: Paulien Couckuyt, Naomi Van den Broeck

Siebenkampf: Nafi Thiam

Hochsprung: Merel Maes

Stabhochsprung: Elien Vekemans

Dreisprung: Ilona Masson

4x100 Meter (Rockets): Janie De Naeyer, Delphine Nkansa, Rani Rosius, Lotte Van Lent, Rani Vincke, Anne Zagré

4x400 Meter (Cheetahs): Paulien Couckuyt, Ilana Hanssens, Camille Laus, Messalina Pieroni, Helena Ponette, Naomi Van den Broeck, Imke Vervaet

Männer

400 Meter: Alexander Doom, Daniel Segers

1.500 Meter: Pieter Sisk, Ruben Verheyden, Jochem Vermeulen

800 Meter: Eliott Crestan, Pieter Sisk

5.000 Meter: John Heymans, Isaac Kimeli

Marathon: Koen Naert

110 Meter Hürden: Elie Bacari, Michael Obasuyi

Stabhochsprung: Ben Broeders

Zehnkampf: Jente Hauttekeete

Hochsprung: Thomas Carmoy

3.000 Meter Hindernis: Tim Van de Velde

4x100 Meter (Falcons): Emiel Botterman, Amine Kasmi, Antoine Snyders, Simon Verherstraeten, Rendel Vermeulen (Reserve), Kobe Vleminckx

4x400 Meter (Tornados): Dylan Borlée, Alexander Doom, Christian Iguacel, Florent Mabille, Jonathan Sacoor, Daniel Segers, Robin Vanderbemden, Julien Watrin

4x400 Meter Mixed

Dylan Borlée, Alexander Doom, Daniel Segers, Helena Ponette, Naomi Van den Broeck, Imke Vervaet

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