Der Anstieg der Diagnosen wird demnach auf bessere Diagnostik, veränderte gesellschaftliche Wahrnehmung und eine höhere Erkennungsrate – etwa bei Frauen und Erwachsenen – zurückgeführt. Kritiker warnen zugleich vor vorschnellen Diagnosen, da eine tiefgreifende neurologische Untersuchung unabdingbar sei, so Lukas Teller.
Ministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) machte deutlich, dass es in der DG derzeit keine umfassende Datensammlung gibt. Lediglich sechs Personen erhielten in den letzten drei Jahren eine Genehmigung für eine Langzeitrehabilitation im Ausland aufgrund einer Autismusdiagnose. Diese Zahl sei aber keinesfalls repräsentativ, da nicht jeder Betroffene eine Diagnose habe und selbst mit Diagnose nicht jeder eine Behandlung im Ausland beantrage. Auch die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben (DSL) arbeite ohne formale Diagnose, sodass dort ebenfalls keine Zahlen erfasst würden. Dennoch gebe es bereits ein Netz an Unterstützungsangeboten: Bei Kaleido und im Kompetenzzentrum des ZFP sind Fachkräfte speziell zum Thema Autismus ausgebildet, um Kinder in Schulen und deren Lehrer zu begleiten. Auch Integrationslehrer verfügen über entsprechende Kenntnisse. Zudem habe das Beratungs- und Therapiezentrum (BTZ) Personal schulen lassen. Die DSL finanziere nach Bedarf Weiterbildungen in ihren Einrichtungen, und im Rahmen einer modularen Zusatzausbildung sei Autismus inzwischen ein fester Bestandteil.
Besonderes Gewicht legte die Ministerin auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Wegen der Sprachsituation kooperiere die DG mit der Gesellschaft Autismus Aachen. Einmal pro Woche bietet dort eine Fachkraft Beratungen für Betroffene und Angehörige in den Räumen der DSL an – unterstützt von einer eigens geschulten Mitarbeiterin aus Ostbelgien, die Familien auch vor Ort begleitet. Darüber hinaus erarbeitet die DSL derzeit eine Infobroschüre. In einem ersten Schritt sollen auf dem Portal Ostbelgien Live Hinweise zur Diagnostik veröffentlicht werden – inklusive einer Übersicht möglicher Ansprechpartner, Kostenträger und Fachärzte. In einem zweiten Schritt sollen Flyer bei Ärzten und Dienstleistern verteilt werden, mit QR-Code zur Online-Information.
In der Debatte zeigte sich Lukas Teller zufrieden, dass mit der Broschüre ein sichtbarer Fortschritt erreicht wird. Diana Stiel (Vivant) begrüßte, dass verstärkt Aus- und Fortbildungen stattfinden. Fabienne Colling (Ecolo) hielt dagegen fest, dass es nach wie vor keine Diagnosemöglichkeit in der DG selbst gebe. Eltern fühlten sich mitunter verloren im System – und gerade im schulischen Alltag ergäben sich große Schwierigkeiten. Eine Eltern-Austauschgruppe werde vom Patienten Rat + Treff (PRT) begleitet. (sc)

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