Befürworter sehen darin die Chance auf neue Absatzmärkte und Wohlstandsgewinne. Außerdem betonen Anhänger die Notwendigkeit eines engeren wirtschaftlichen Bündnisses mit Lateinamerika, zumal die USA unter Präsident Donald Trump ein zunehmend unzuverlässiger und schwieriger Partner geworden seien.
Kritiker warnen vor gravierenden Folgen für Umwelt, Klima und soziale Standards. Unter dem Titel „Mercosur und wir: Chancen, Risiken, Perspektiven“ laden Attac DG, Miteinander Teilen und die Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion ein, um unterschiedliche Sichtweisen auf den Prüfstand zu stellen. Mercosur – ein Zusammenschluss von Brasilien, Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay – hat mit der EU ein Freihandelsabkommen ausgehandelt, das weitreichende Auswirkungen auf Landwirtschaft, Industrie, Verbraucherrechte und geopolitische Machtverhältnisse haben könnte. Kaum ein Bürger wird von diesem Handelspakt mit Südamerika unberührt bleiben. Das Abkommen braucht noch grünes Licht von vielen Parlamenten in ganz Europa. Auch das Parlament der DG (PDG) wird, wie andere belgische Parlamente auch, mittelfristig über das Mercosur-Abkommen abstimmen müssen.
Doch ist das Abkommen ein guter Deal? Bei der Diskussion werden die vielschichtigen Fragen rund um Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Arbeitsrechte und wirtschaftliche Interessen beleuchtet. Auf dem Podium nehmen Platz: der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont, Bernd Lorch, Geschäftsführer der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien, Ingrid Mertes vom Bauernbund, Thomas Miessen von der Gewerkschaft CSC sowie Armin Paasch von Misereor. Die Veranstaltung findet am 23. September in der „Stillen Post“ in St.Vith (Malmedyer Straße 4a) statt. Beginn ist um 20.30 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Arbeitgeberverbände sagen Ja zum Abkommen.
Belgische Arbeitgeberverbände wie FEB, VOKA, BECI und Unizo bekräftigen derweil in einer Mitteilung ihre Unterstützung für das Freihandelsabkommen. In einer Zeit geopolitischer Spannungen und wachsender Handelsbarrieren sehen sie darin ein strategisch wichtiges Signal gegen Protektionismus. Das Abkommen würde 20 % der Weltwirtschaft abdecken, 750 Millionen Menschen betreffen und der EU Zugang zu einem bislang stark abgeschotteten Markt eröffnen. Für Belgien verspricht es Vorteile wie den Abbau von Zöllen (u. a. 35 % auf Autos, 20 % auf Schokolade und Textilien), besseren Marktzugang für Dienstleister und Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen. Auch die Versorgung mit Rohstoffen wie Lithium würde gesichert, hieß es. Sensible Sektoren sollen durch Schutzklauseln abgesichert bleiben.
Die Verbände betonen die strategische Bedeutung: Europa müsse Handelsströme diversifizieren und seine Wettbewerbsfähigkeit sichern, auch mit Blick auf den wachsenden Einfluss Chinas in Lateinamerika. Positive Erfahrungen mit CETA zeigen laut den Arbeitgebern, dass Freihandelsabkommen Wachstum und Stabilität fördern. Ihr Appell an die Politik: Belgien solle das Abkommen im Rat konstruktiv unterstützen – ein Scheitern sei keine Option. (red/sc)

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