Insgesamt bleiben die Fakten beeindruckend. Andere sagen: beängstigend. Die Rede ist von der anhaltend wachsenden Zahl an „Gîtes“, durchweg südöstlich des Maas-Beckens. Jedenfalls stoßen, wie u.a. das Magazin „Le Vif“ offenlegte, manche Orte förmlich an Grenzen, leiden unter touristischer Übersättigung und teils sogar Übervölkerung. Ein Phänomen, von dem bisher vorrangig in Zusammenhang mit Metropolen wie Barcelona, Venedig oder Amsterdam die Rede war. Oder in unseren belgischen Breitentragen auch Brügge.
Nun ist dieses Phänomen nicht zwingend neu, hat sich aber im Zuge und ebenso im Nachgang zur Pandemie weiter verschärft. Zumindest in einigen ausgewiesenen Standorten. Oder Hotspots, wie es heute gängig heißen könnte. Jedenfalls verzeichnen manche eher ruhige Ecken im Gebiet zwischen Beauraing, Marche, Vielsalm und Bouillon einen (baulichen) Zuwachs bis zu fünfzehn Prozent an so genannten „Gîtes rurales“.
Ein Trend, der das soziokulturelle Neben- und Miteinander erkennbar erschwert. Was in der Zwischenzeit ortsansässigen Bürgern böse aufstößt. Etwa in der Raute Durbuy/Érezée/Rendeux/Hotton, aber ebenfalls im vielleicht noch stärker frequentierten Dreieck Vielsalm/Houffalize/La Roche. Die Gründe: Verkehrsaufkommen, Lärmbelästigung, Preistreiberei…
Für den ungebremsten Anstieg der „Gîtes“ quer durchs Land macht die Branche - und in der Zwischenzeit ebenfalls die Politik - vorrangig zwei Ursachen geltend, die aber zwingend zusammenhängen.
Lokale Bevölkerung läuft lautstark Sturm
Der Rückgang der Landwirtschaft als Ertragszweig in den Provinzen Lüttich (vornehmlich im Süden), Namur (besonders im Osten) und Luxemburg (zuzüglich Nähe zum Großherzogtum als Arbeitsmarkt) führt(e) zwangsläufig zur Landflucht. Weshalb immer mehr ältere und größere Anwesen ungenutzt sind. Und in der Zwischenzeit sind es halt nicht mehr ausschließlich lokale Bauherren, die solche Immobilien zu touristischen Zwecken umfunktionieren.
Nein, es sind stattdessen oft ortsfremde Investoren, die hier eine lukrative Einnahmequelle entdeckt haben. Angesichts des Raumvolumens meist für größere Gruppen oder mehrere Familien als Zielgruppen, vielfach gar mit Spielplatz und/oder Gartenpool. Die Ansprüche der Gäste sind auch in den Ardennen erkennbar gestiegen.
Es ist vor allem die Verkehrs- und Lärmbelästigung infolge des plötzlichen Bevölkerungszuwachses, die den örtlichen Bürger(inne)n die Zornesfalten auf die Stirn treibt. Kein Wunder, wenn das Ortsvolumen im Juli und August hier oder dort bis zu vierzig Prozent anwächst. Und wenn dann noch Jugendliche solche „Gîtes“ für sommerlich-nächtliche Partys nutzen, kann die Beschaulichkeit und Lebensqualität in einem kleinen, charmanten Ort schon mal Risse kriegen.
Hastière zieht die Reißleine
Gemeinde Hastière im Maas-Tal reiht sich nun ein unter die Kommunen, die gegen den „Wildwuchs“ von „Gîtes“ die Reißleine ziehen. Wie in der Vergangenheit namentlich die lange Zeit „boomenden“ Rendeux und La Roche, die die Umrüstung alter, leerstehender Gebäude an neue, schärfere Vorgaben knüpften. Weshalb in der Zwischenzeit potenzielle Investoren beiden Orten erkennbar den Rücken kehr(t)en. Und so regelt künftig auch in Hastière ein politisches „Handbuch“ die Einrichtung von „Gîtes“, die vorerst komplett ausgesetzt ist. Ein Schritt, der eine tiefergehende Analyse der Ist-Situation ermöglichen soll - und hierbei vorrangig die Wünsche und Zwänge für die Zukunft gegeneinander auslotet. Eine Entscheidung, die in einer ersten Phase nur Wohngebiete betrifft (gemäß Ausweisung im Sektorenplan), wogegen in Freizeitzonen anvisierte Projekte beantragt werden können (jedoch bei strengeren Auflagen als bisher). Die Begründung des Kollegiums verweist u.a. auf „den Schutz der örtlichen Bevölkerung“, aktuell rund 6000 Einwohner auf circa 56 Quadratkilometern.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren