Sein Name steht wie kaum ein anderer für das entschiedene Eintreten für die Autonomie der Deutschsprachigen Gemeinschaft. „Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Gerhard Palm. Er war ein leidenschaftlicher und engagierter Politiker – ein homo politicus im besten Sinne des Wortes“, erklärte Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG) gegenüber dem GrenzEcho.
Parlamentarier der ersten Stunde
Geboren 1946 in Mürringen, gehörte Gerhard Palm seit den 1970er Jahren zur ersten Generation ostbelgischer Regionalpolitiker. 1974 wurde er in den neu geschaffenen Rat der deutschen Kulturgemeinschaft gewählt und blieb fast 37 Jahre lang ununterbrochen Abgeordneter – so lange wie kaum ein anderer Volksvertreter der DG. Er führte die Fraktion der PDB, später PJU-PDB, und wirkte bis 2010 auch in der Nachfolgepartei ProDG mit. Palm verstand sich stets als Stimme der Opposition, der die Mehrheit mit Nachdruck kontrollierte und dabei kein Blatt vor den Mund nahm. „Redegewandt und diszipliniert, trat er stets kompetent und wertegeleitet auf“, würdigte Oliver Paasch den Verstorbenen.
Neben seiner Parlamentsarbeit prägte Gerhard Palm auch die Kommunalpolitik. Ab 1977 saß er im Gemeinderat von Büllingen, von 1989 bis 2006 amtierte er als Bürgermeister. In diese Zeit fiel der schwierige Prozess des Zusammenwachsens der 13 Ortsteile, die im Zuge der Gemeindefusion zur Großgemeinde Büllingen zusammengelegt worden waren. Palm sprach später von einer „spannenden Aufbruchszeit“, in der es darum ging, aus den vielen Traditionen eine gemeinsame Basis zu schaffen. Für seine Verdienste wurde er 2009 zum Ehrenbürgermeister ernannt. Vor allem aber war er ein streitbarer Verfechter der Eigenständigkeit der DG. Schon früh machte er deutlich, dass die DG nicht ein Anhängsel der Wallonie bleiben dürfe, sondern gleichberechtigt im föderalen Belgien stehen müsse. „Besonders setzte er sich unermüdlich für die Autonomie und Gleichberechtigung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens ein“, so Paasch.
Gerhard Palm trat dabei nie als Träumer oder Separatist auf, sondern als pragmatischer Verhandler, der auf klare Zuständigkeiten setzte. „Wir wollen nichts mit Separatismus zu tun haben, wir wollen ein solidarisches Zusammenleben im Bundesstaat Belgien“, betonte er schon Anfang der 1990er Jahre. Gleichzeitig scheute er nicht vor scharfen Formulierungen zurück, wenn er die Autonomie in Gefahr sah – etwa als er die Abhängigkeit der DG von der Wallonie mit einer „Ära des Kolonialismus“ verglich.
Respekt über die Parteigrenzen hinweg
Sein politischer Stil war geprägt von Akribie und Beharrlichkeit. Oliver Paasch erinnert an Gerhard Palm als einen Mann, „der sich durch Fleiß, hohe Intelligenz, akribische Arbeit und eine bemerkenswerte Liebe zum Detail auszeichnete“. Diese Eigenschaften machten ihn zu einem Gesprächspartner, der auch beim politischen Gegner Respekt genoss. „Seine Konsequenz und sein Verantwortungsbewusstsein machten ihn zu einer Persönlichkeit, die auch beim politischen Gegner Respekt genoss“, so der Ministerpräsident. Im Dezember 2010 verabschiedete Palm sich vom Parlament. Es sei an der Zeit, die jüngere Generation Verantwortung übernehmen zu lassen, sagte er damals. „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“, fügte er hinzu – ein Hinweis darauf, dass die ProDG damals erstmals Regierungsverantwortung übernommen hatte. Mit Applaus aller Fraktionen wurde Gerhard Palm verabschiedet. Die sichtbaren Fortschritte der Autonomie, betonte er in seiner Abschiedsrede, gehörten zu den größten Erfolgen seines politischen Lebens.
„In allen politischen Aufgaben und Ämtern war er integer, ehrlich und der Sache verpflichtet“, fasst Ministerpräsident Oliver Paasch sein Wirken zusammen. Sein Beispiel stehe für „Integrität, Ernsthaftigkeit und aufrichtige Hingabe an die politische Aufgabe“.
Mit Gerhard Palm verliert die DG einen Politiker, der wie kaum ein anderer für den langen Weg von den Anfängen der kulturellen Autonomie bis hin zum heutigen Status der Deutschsprachigen Gemeinschaft stand. Sein Name bleibt verbunden mit den Meilensteinen dieser Entwicklung – und mit der leidenschaftlichen Überzeugung, dass die deutschsprachigen Belgier ihren Platz im föderalen Staat aus eigener Kraft und mit eigener Stimme behaupten können.

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