Polizei warnt vor rasant wachsender Online-Prostitution von Minderjährigen

<p>Prostitution im Netz: 1,7 Millionen Anzeigen in Belgien erfasst.</p>
Prostitution im Netz: 1,7 Millionen Anzeigen in Belgien erfasst. | Foto: Andreas Arnold/dpa

Besonders gefährlich ist der Verlagerungseffekt ins Netz. „Neben klassischen Felduntersuchungen müssen wir unbedingt ins Digitale investieren“, untermauert Éric Garbar, der als Leiter des Fachzentrums „Menschenhandel“ bei der föderalen Gerichtspolizei agiert, gegenüber „La Meuse“. „Allein im vergangenen Jahr haben wir 112 minderjährige Prostituierte über Online-Anzeigen identifiziert.“

Der Kommissar schildert, wie leicht Jugendliche ins Visier geraten: „Stellen Sie sich ein 15-jähriges Mädchen vor, das sich für das neueste iPhone auf einer Plattform für bezahlten Sex anbietet. Sofort wird es Zielscheibe für Zuhälter, die mit großen Summen locken und es in ein Prostitutionsnetzwerk hineinziehen.“

Die föderale Justizministerin Annelies Verlinden (CD&V) bestätigte vor Kurzem in der Kammer, dass die Polizei im Rahmen eines Pilotprojekts ein in Deutschland und Frankreich erprobtes Software-Tool eingesetzt hatte. Ergebnis: 1,7 Millionen Anzeigen für sexuelle Dienstleistungen wurden 2024 in Belgien gezählt – eine Hochrechnung von rund 17.000 aktiven Prostituierten im Netz. Besonders auffällig seien laut Verlinden Anzeigen aus chinesischen und südamerikanischen Milieus.

Lüttich ist an der Spitze

Die Analyse ergab, dass der Gerichtsbezirk Lüttich mit rund 30.000 verdächtigen Anzeigen an der Spitze liegt, weit vor Brüssel (9.500) sowie Charleroi (22.500) und Namur (17.000). Die Plattform „Vivastreet“ verzeichnete dabei die meisten Inserate, vor „Red Light“ und „Quartier Rouge“.

Die getestete Software verknüpfte Anzeigen und half so, proaktive Ermittlungen zu starten. „Wenn wir sehen, dass ein einzelnes Profil mit 100 Prostituierten verknüpft ist, kann es sich um ein Callcenter handeln, das im Hintergrund alles organisiert“, erklärt Éric Garbar.

Obwohl die föderale Polizei das Programm nicht weiterführt, kündigte Annelies Verlinden ein neues IT-Werkzeug für Ende des Jahres an. Éric Garbar hofft auf Kontinuität: „Dank des Tools konnten wir sehen, dass die Zahl der Prostituierten in Belgien in zehn Jahren von 14.000 auf 17.000 gestiegen ist – auch wegen der Corona-Pandemie. Neben klassischen Einsätzen müssen wir dringend auch auf virtuelle Patrouillen setzen.“ (calü)

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