Allein aus Brüssel und der Wallonie zogen im vergangenen Jahr fast 33.400 Menschen nach Flandern, während knapp 20.000 die Region verließen. Damit verzeichnete Flandern einen Nettozuwachs von rund 14.000 Bewohnern. „Flandern gelingt es, Menschen anzuziehen und zu halten – dank einer attraktiven Kombination aus Jobchancen, gutem Bildungsangebot und im Vergleich zu Brüssel noch relativ erschwinglichem Wohnen“, erklärt CIB-Sprecher Kristophe Thijs.
Die Wallonie profitierte ebenfalls: 13.271 Brüsseler und 8.079 Flamen siedelten sich dort an, vor allem in Gemeinden der Provinzen Wallonisch-Brabant und Namur. Ausschlaggebend ist hier weniger die Wirtschaftskraft, sondern vor allem die größere Wohnungserschwinglichkeit.
Besonders gravierend ist die Abwanderung aus Brüssel selbst: 36.970 Einwohner verließen die Hauptstadtregion, zwei Drittel davon zogen nach Flandern. Zwar zogen auch so viele Flamen (11.600) und Wallonen (9.014) wie nie zuvor nach Brüssel, doch die Zahlen reichen nicht aus, um die „Auswanderung“ zu kompensieren. „Das ist ein Muster, das wir seit Jahren beobachten“, sagt Demograf Patrick Deboosere von der Vrijen Universiteit Brussel (VUB). „Hohe Immobilienpreise, Druck auf Schulen und überlastete Kinderbetreuung spielen dabei eine zentrale Rolle.“
Laut Kristophe Thijs spiegelt sich darin eine „Lebensphasen-Migration“ wider: Junge Menschen, Expats und Alleinstehende zieht es zum Studium oder für die Karriere in die Hauptstadt – Familien hingegen wandern ab, auf der Suche nach Ruhe, Platz und einem Haus mit Garten.
Trotzdem wächst Brüssel weiter: Laut des belgischen Statistikamtes Statbel kamen 2024 netto mehr als 6.200 Einwohner hinzu, vorwiegend durch Zuwanderung aus dem Ausland. Auch bleibt Brüssel die einzige Region mit einer positiven Geburtenbilanz.
Doch der Verband der Immobilienfachleute warnt: Der strukturelle Familienabzug sei ein politisches Versäumnis. „Das Brüsseler Wohnungsmodell setzt primär auf Mieten, nicht auf Verwurzelung. Es fehlen seit Jahren Anreize für Familien, Eigentum zu erwerben und dauerhaft zu bleiben. Ohne gezielte Maßnahmen verliert Brüssel das Rückgrat seiner Mittelschicht an die Randgemeinden“, so Kristophe Thijs abschließend. (belga/calü)

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