NGO verklagt X: Millionen Missbrauchsbilder auf der Plattform entdeckt

<p>Eine Brüsseler NGO wirft X vor, massenhaft Missbrauchsbilder von Kindern zu verbreiten.</p>
Eine Brüsseler NGO wirft X vor, massenhaft Missbrauchsbilder von Kindern zu verbreiten. | Illustrationsbild: picture alliance/dpa

Alliance4Europe, die sich normalerweise mit Desinformation und ausländischer Einflussnahme befasst, war im Zuge einer Recherche zu russischen Propagandakampagnen zufällig auf das Netzwerk gestoßen. Dabei stießen die Forscher auf eine Vielzahl von Konten, die Bilder von Kindesmissbrauch verbreiteten – von Opfern unterschiedlichsten Alters und in unterschiedlichsten Situationen.

Die Inhalte wurden über Bots und automatisierte Konten verbreitet, teils über gehackte Profile, teils über eigene erstellte Accounts. Diese nutzten Hashtags, um Nutzer von X gezielt zu den Bildern zu führen – von eindeutig kinderpornografischen Schlagworten über erotische Begriffe für Erwachsene bis hin zu scheinbar harmlosen Hashtags wie „mom“ oder „teenager“. Zudem schlug die Plattform selbst oft weitere Hashtags vor, die ebenfalls von dem Netzwerk genutzt wurden.

Die Bots lockten Nutzer mit kurzen Videos und verwiesen dann auf Ordner mit Missbrauchsbildern, auf Gruppen in Telegram oder Discord, auf dubiose Datingportale oder Seiten zum Kauf von Hacker-Tools und sicheren Messenger-Apps. Auf einer Website wurden sogar Abos für Missbrauchsmaterial verkauft – bezahlt wurde mit PayPal oder Bitcoin. Manche Beiträge erreichten bis zu 30.000 Aufrufe.

In nur drei Tagen, vom 18. bis 22. Juli, identifizierte Alliance4Europe mehr als 150 solcher Konten – und es kamen laufend neue hinzu. Zwar sperrte X nach einer Meldung der NGO einige Accounts und entfernte Hashtags, doch viele Profile tauchten rasch wieder auf. Sobald ein Forscher sein Alter verifiziert hatte, erhielt er erneut ungehinderten Zugang zu Missbrauchsinhalten.

Child Focus bestätigt die Schwere der Entdeckungen. „Wir haben sofort Kontakt aufgenommen, unser internationales Netzwerk informiert und das Material überprüft“, sagte Verantwortliche Tijana Popovic. Auch der föderale Koordinator für digitale Dienste sei eingebunden worden.

Die Europäische Kommission könnte nun ein Verfahren gegen X eröffnen. Sollte die Plattform nicht ausreichend handeln, drohen Geldstrafen oder Beschränkungen. Bereits in der Vergangenheit hatte Brüssel Untersuchungen gegen X eingeleitet.

Doch Popovic warnt vor einem größeren Problem: „Viele soziale Netzwerke reduzieren die Moderation oder verschlüsseln Inhalte so stark, dass Kontrollen kaum noch möglich sind. Umso wichtiger ist es, dass jeder Missbrauchsbilder sofort meldet.“ (belga/rt)

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