Höheres Risiko für Magen-Darm-Probleme nach Gallenblasen-OP

<p>Nach einer Gallenblasenentfernung steigt das Risiko für chronische Magen-Darm-Beschwerden deutlich.</p>
Nach einer Gallenblasenentfernung steigt das Risiko für chronische Magen-Darm-Beschwerden deutlich. | Illustrationsbild: picture alliance / dpa

Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Gut, rufen zu einer sorgfältigeren Diagnostik auf, um unnötige Operationen zu vermeiden. Weltweit gehört die Gallenblasenentfernung – medizinisch Cholezystektomie – zu den häufigsten Eingriffen, oft durchgeführt bei Gallensteinen, die Schmerzen und Verdauungsbeschwerden verursachen. Dennoch leiden viele Betroffene auch nach der Operation weiter unter Beschwerden.

Laut Studienautor Bo Konings von der KU Löwen hat weltweit etwa fünf Prozent der Bevölkerung bereits eine Gallenblasenentfernung hinter sich. „Der Eingriff verläuft in der Regel problemlos, doch bei einem beträchtlichen Teil treten danach Magen-Darm-Probleme auf.“

Die Auswertung von Daten von mehr als 54.000 Erwachsenen aus 26 Ländern ergab: Das Risiko für Leiden wie Reizdarmsyndrom, funktionelle Dyspepsie, Durchfall oder Stuhlinkontinenz ist bei Operierten im Schnitt um die Hälfte höher. Eine mögliche Ursache: Ohne Gallenblase wird Galle kontinuierlich und unkontrolliert in den Darm abgegeben, was die Passage durch den Dickdarm beschleunigt und Krämpfe, Schmerzen und schwer kontrollierbaren Durchfall auslösen kann.

„Diese Daten zeigen eine erhebliche und oft unterschätzte Belastung durch Magen-Darm-Beschwerden nach einer Gallenblasenentfernung“, betont Mitautor Lukas Michaja Balsiger. Gastroenterologe Jan Tack weist darauf hin, dass bei einem Teil der Betroffenen die ursprünglichen Symptome gar nicht von der Gallenblase verursacht wurden – der Eingriff also nicht nötig gewesen wäre.

Die Forscher plädieren für gründlichere Diagnosen und mehr Bewusstsein für mögliche Langzeitfolgen. „Die Cholezystektomie ist sicher, aber die Entscheidung muss wohlüberlegt sein“, so Tack. (belga/rt)

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