Luc Misson, der Anwalt hinter dem „Bosman-Urteil“, ist tot

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Luc Misson ist tot. | Foto: belga

Damals erstritt er für den ehemaligen Profispieler Jean-Marc Bosman das Recht, dass Fußballer nach Vertragsende ablösefrei den Verein wechseln dürfen. Gleichzeitig wurden Quoten für ausländische Spieler in europäischen Ligen für unzulässig erklärt – ein juristisches Erdbeben im Profisport.

Der 1952 geborene und seit 1975 an der Uni Neu-Löwen (UCL) diplomierte Jurist sorgte in seiner Karriere immer wieder für aufsehenerregende Verfahren. Er stellte die Macht des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Frage, erkämpfte im Fall des Franzosen Mohamed Dahmane eine Begrenzung von Vertragsstrafen im Profifußball auf maximal zwölf Monatsgehälter und trug gemeinsam mit Me Julien Pierre das sogenannte „Taxquet-Urteil“ vor die Europäische Menschenrechtskonvention. Dieses führte dazu, dass Geschworenengerichte ihre Urteile künftig begründen müssen – eine Folge des Mordprozesses um die Ermordung von André Cools.

Misson verteidigte außerdem den Lütticher Arzt Georges Mouton in einem Dopingverfahren, das am Ende eingestellt wurde, ebenso wie den ehemaligen Schöffen von Charleroi Claude Despiegeleer, der wegen Veruntreuung verurteilt wurde. Für Ex-Nationaltorhüter Gilbert Bodart übernahm er die Verteidigung im viel beachteten Prozess um einen bewaffneten Überfall in den Grotten von Han – Bodart erhielt letztlich eine Haftstrafe auf Bewährung.

Abseits des Sports setzte sich Misson auch für Anwohner und Arbeitnehmer ein: Er unterstützte Anrainer des Regionalflughafens Lüttich-Bierset im Kampf gegen nächtlichen Fluglärm, erstritt für Medizinstudenten eine Aufhebung der Zugangsbeschränkungen durch den Numerus Clausus und erreichte vor dem Berufungsgericht eine Verurteilung der SNCB, die damit gezwungen wurde, den autonomen Lokführerverband SACT offiziell anzuerkennen.

Die Beisetzung von Luc Misson findet am kommenden Dienstag in Vielsalm statt. (belga/calü)

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