Die beiden großen, vollständig belgischen Banken KBC und Belfius haben beim diesjährigen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) gute Ergebnisse erzielt. Das teilte die Belgische Nationalbank (BNB) am Freitagabend mit. Beide Institute hätten demnach eine „angemessene Resilienz“ unter Beweis gestellt – trotz des aktuellen makroökonomischen Umfelds und anhaltender geopolitischer Spannungen. Gleichzeitig warnt die BNB jedoch, dass sich die zukünftige Rentabilität rasch verschlechtern könne.
Ziel: Belastbarkeit im Krisenfall bewerten
Die EBA hatte die Stresstests in Zusammenarbeit mit der Belgischen Nationalbank, der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (CERS) durchgeführt. Untersucht wurden die 64 größten Banken der Europäischen Union, darunter 51 aus dem Euroraum, die der direkten Aufsicht durch die EZB unterliegen.
Die Tests deckten rund 75% des europäischen Bankensektors ab – einschließlich der belgischen Banken Belfius und KBC Group. ING Belgien und BNP Paribas Fortis wurden über ihre jeweiligen Muttergesellschaften in die Prüfung einbezogen, da sie Töchter ausländischer Bankengruppen sind. Das Ziel des Stresstests war es, Aufsichtsbehörden, Banken und Marktteilnehmern einen gemeinsamen Analyse-Rahmen zur Verfügung zu stellen, mit dem sich die Widerstandskraft der größten Banken der EU sowie des europäischen Bankensystems gegenüber einer Reihe hypothetischer wirtschaftlicher Schocks beurteilen lässt. Der Test bestand aus einem Basisszenario und einem negativen (adversen) Szenario mit einem Zeithorizont von drei Jahren.
Im adversen Szenario verschlechterte sich die harte Kernkapitalquote (CET1) bei KBC um 294 Basispunkte, bei Belfius um 392 Basispunkte. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der Banken im Euroraum lag bei einem Rückgang von 384 Basispunkten.
Laut Einschätzung der BNB konnten die belgischen und europäischen Banken im Vergleich zum Stresstest von 2023 die Auswirkungen des negativen Szenarios etwas besser abfedern. Dieser Fortschritt sei auf eine verbesserte Ausgangssituation in Bezug auf die Rentabilität zurückzuführen, die den Kapitalbestand im Krisenszenario vor Verlusten schützte.
Für das Jahr 2027, dem Ende des Prognosezeitraums, wurden im negativen Szenario CET1-Quoten von 11,9% bei KBC und 12,4% bei Belfius errechnet. Beide Werte liegen über dem erwarteten Durchschnitt von 11,7% für die Vergleichsgruppe der Eurozonen-Banken, interpretiert die Belgische Nationalbank.
„Wie schon bei den vorherigen Ausgaben bestätigt der Stresstest 2025 einmal mehr die große finanzielle Stabilität und Resilienz von Belfius – und das in einer Stresssimulation, die härter war als je zuvor“, erklärte die zu 100% staatliche Bank in ihrer Reaktion. Demnach habe das negative Szenario unter anderem die Verwirklichung großer geopolitischer Risiken sowie eine erhebliche Fragmentierung des Welthandels berücksichtigt. Es sei „das härteste Szenario in der Geschichte dieser Tests“ gewesen, betont Belfius, und sogar extremer als die Stresstests der US-Notenbank Fed oder der britischen Bank of England im Jahr 2024.
Das positive Ergebnis zeige „einmal mehr die große Widerstandskraft von Belfius selbst in den ungünstigsten Szenarien: das Resultat einer konsequenten langfristigen Diversifizierungsstrategie und der kontinuierlichen Stärkung unseres Finanz- und Risikomanagements“, so die Bank weiter. Der Test bestätige die Fähigkeit des Instituts, auch extreme Schocks zu absorbieren – gestützt durch die soliden Kapitalreserven, die in den vergangenen Jahren systematisch aufgebaut wurden, ohne dabei die Unterstützung der belgischen Wirtschaft zu vernachlässigen.
Auch Johan Thijs, Geschäftsführer der KBC Group, äußerte sich zufrieden: „Die Beständigkeit unserer Ergebnisse versichert unseren Stakeholdern, dass unser Unternehmen gut kapitalisiert ist – und auch bleiben wird –, sollte ein ungünstiges Szenario eintreten.“
Die Ergebnisse spiegelten zudem die starken Grundlagen der Bank wider: „ein gesundes, kundenorientiertes Bancassurance-Modell, eine robuste Liquiditätsposition, gestützt auf eine sehr stabile Einlagenbasis treuer Kunden auf unseren strategischen Märkten, und ein komfortables Maß an Solvenz“. Das erlaube es KBC, die Gemeinschaften und das wirtschaftliche Umfeld, in dem das Unternehmen tätig sei, weiterhin aktiv zu unterstützen, so der Vorstandsvorsitzende.
KBC nehme die Ergebnisse zur Kenntnis und akzeptiere sie, betonte aber zugleich, dass es sich beim Stresstest 2025 nicht um eine klassische Bestehens-/Nichtbestehensprüfung handele. Vielmehr diene er als wertvolle Informationsquelle im Rahmen des aufsichtlichen Prüfprozesses (SREP). Die Ergebnisse würden den Aufsichtsbehörden helfen, die Fähigkeit der Bankengruppe zu bewerten, auch unter Stressbedingungen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden.
Wichtig sei zudem: Es handele sich bei den Ergebnissen keineswegs um Gewinnprognosen oder Vorhersagen zur zukünftigen Rentabilität – darauf weisen sowohl KBC als auch Belfius ausdrücklich hin.
Für die Regulierungsbehörde steht fest: Die Ergebnisse des diesjährigen Tests unterstreichen die Bedeutung starker Eigenkapitalpuffer. Diese seien notwendig, „um sicherzustellen, dass die Banken in der Lage sind, Schocks zu widerstehen und ihre Kreditvergabe an die Wirtschaft auch unter ungünstigen Bedingungen aufrechtzuerhalten“, so das Fazit der Belgischen Nationalbank. (belga/nc)

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