Kaufkraft geht spürbar „vor die Hunde“

<p>Die Immobilienkaufkraft hat zwar in den vergangenen Monaten wieder ein wenig angezogen, bleibt in puncto Wohnfläche mit 115 Quadratmetern aber weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Zinskrise.</p>
Die Immobilienkaufkraft hat zwar in den vergangenen Monaten wieder ein wenig angezogen, bleibt in puncto Wohnfläche mit 115 Quadratmetern aber weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Zinskrise. | Fotos: Adobe / Fotolia

Der belgische Immobilienmarkt durchlebt weiterhin recht unruhige Zeiten. Zumindest sieht Berechenbarkeit anders aus. Zwar weisen die Preise wieder moderat nach oben, doch bleiben die ungebrochen hohen Zinsen ein Bremsklotz, drücken vor allem auf die Kaufkraft. Zum Hintergrund… Die Immobilienkaufkraft entspricht der Quadratmeterfläche, die ein Haushalt (Paar/Single) mit einem mittleren Einkommen mittels Wohnkredit „stemmen“ kann.

Selbst bei der Bestandsware schrumpft die „verfügbare“ Fläche im Verhältnis zur Kaufkraft. Wie auch die aktuellen Zahlen des zweiten Trimesters nachdrücklich belegen. Bei einer Ratenverpflichtung von 1.200 € im Monat kann ein Kaufinteressent derzeit merklich weniger Fläche erwerben als noch vor fünf Jahren.

In Zahlen… National wird die Immobilienkaufkraft derzeit auf 115 Quadratmeter veranschlagt. Und liegt damit weiter auf einem merklich niedrigeren Niveau als vor der „Zinskrise“ von 2022 - mit einem damaligen Wert von 127 Quadratmetern bei einer Rate in vorgenannter Höhe (gemäß Erhebungen von Belfius). Ein Jahr später stürzte der Wert gar auf 103 Quadratmeter ab, um seit Herbst letzten Jahres wieder langsam anzusteigen.

Dennoch: Im Vergleich zu vor „The Great Lockdown“ nach wie vor ein Minus von 12 Quadratmetern. Ein „Verlust“, der sich im ländlichen Raum oder in kleineren Städten zwar weniger drastisch niederschlägt, in Metropolen wie Brüssel (62/57 Quadratmeter), Antwerpen (85/78) oder Gent (88/81) aber voll greift.

„Zins-Rucksack“ wird einfach nicht leichter

Knackpunkt bleiben die Zinsen, die hartnäckig über drei Prozent verharren, so gemäß übereinstimmenden Zahlen von Belfius, ING und ImmoWeb von Ende Juni bei 3,24 Prozent. Zum Vergleich: Vor drei Jahren, zum Sommer 2022, beliefen sich die Zinsen auf 1,52 Prozent. Also auf knapp die Hälfte!

Letzlich wirkt sich die Senkung der Leitzinsen durch die EZB nur recht zögerlich auf den realen Kreditmarkt aus. Wenn überhaupt… Da skizzieren Fachleute die Aussichten für den Herbst eher grau in grau. Besonders mit Blick auf die „öffentlichen“ Finanzen.

Immerhin wurde Belgien zuletzt von der Ratingagentur Fitch herabgestuft - von AA- auf A+, die schlechteste „Schulnote“ jemals für unser Land. Eine Entwicklung, die laut Expertenansicht grundsätzlich auf das Investitionsklima drückt.

Ebenfalls wirken sich die angestrebten Investitionen gerade in die Verteidigung negativ auf, mit der Folge einer allseits steigenden (nationalen) Verschuldung, wodurch der „Zins-Rucksack“ auch für die „kleinen“ Kreditnehmer nicht leichter wird.

Ganz abgesehen vom geopolitischen „Klima“ weltweit und den anhaltenden kommerziellen Spannungen, besonders aufgrund der Unberechenbarkeit eines Donald Trump und seiner diffusen Zollpolitik.

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment