Zickzack fahrend, taumelnd und immer wieder aufs Rad gestützt, versucht er verzweifelt, weiterzufahren, bis sein Körper endgültig versagte. Tour-Arzt Dr. Pierre Dumas kämpft mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassagen um Simpsons Leben, doch um 17.40 Uhr verkündet Tour-Co-Direktor Félix Lévitan in Carpentras den Tod des 29-Jährigen.
Nicht nur Hitze und Erschöpfung, sondern vor allem Doping – eine fatale Mischung aus Amphetaminen und Alkohol – kosten ihn das Leben. Seitdem steht ein schlichtes Denkmal zwei Kilometer unterhalb des Observatoriums, an dem Fahrer und Fans jedes Jahr Blumen niederlegen.

Der „Géant de Provence“, der Riese der Provence, trägt seinen Ruf nicht zu Unrecht. „Le Ventoux sans pitié“, sagen die Einheimischen: Der Ventoux kennt nun mal kein Erbarmen. Oberhalb der Baumgrenze gleicht die kahle Kalksteinwüste einem Mondland, der Wind peitscht oft orkanartig, und selbst Legenden mussten sich beugen. Eddy Merckx etwa gewann hier 1970, brach jedoch direkt hinter der Ziellinie zusammen. Wer den Ventoux bezwingt, tut es nie ohne Schmerz.
Denkwürdiges Duell zwischen Armstrong und Pantani
Einer der denkwürdigsten Momente nach Simpsons Tod war die 12. Etappe der Tour de France 2000: das große Duell zwischen Lance Armstrong und Marco Pantani. Armstrong ist souveräner Träger des Gelben Trikots, dominiert den Anstieg von Bédoin über 21,6 Kilometer, wehrt alle Attacken von Jan Ullrich ab und setzt sich wenige Kilometer vor dem Gipfel entscheidend ab.

Doch kurz vor dem Ziel nimmt der Texaner das Tempo heraus und lässt Pantani gewinnen. Ein symbolischer Akt, den er später als Respekt vor dem „besten Kletterer der Welt“ bezeichnete. Pantani feiert das als „Sieg des Willens“, Armstrong aber demonstriert Macht und Kontrolle. Der US-Amerikaner selbst beschrieb den Berg damals ehrfürchtig: „Der Mont Ventoux ist mehr Mond als Berg.“ Und er wusste: Wer hier stark ist, kann ganze Minuten auf die Konkurrenz herausholen, oder auch alles verlieren. Auch bei der Tour de France in diesem Jahr wird der Mont Ventoux seinem Ruf als mythischer Prüfstein erneut gerecht. Die 16. Etappe am Dienstag führt über 171,5 Kilometer von Montpellier hinauf zum Gipfel des „Riesen der Provence“. Der Verlauf ist zunächst trügerisch: über 150 Kilometer rollen die Fahrer über flache bis leicht wellige Straßen durch den Hérault, den Gard und den Vaucluse. Doch dann wartet der finale Horror – der klassische Anstieg von Bédoin: 15,7 Kilometer, durchschnittlich 8,8 Prozent steil, oben karger Kalkstein, kaum Luft und gnadenlose Sonne. Erwartet wird, dass viele versuchen werden, in eine frühe Fluchtgruppe zu springen, doch am Ende wird der Kampf um den Etappensieg wohl den großen Favoriten gehören. Denn wer auf dem Mont Ventoux triumphiert, schreibt seinen Namen unauslöschlich in die Geschichte der Tour – zwischen Dramen wie Simpson, Triumphen wie Pantani und den großen Duellen der Kletterkünstler.

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