[Media and Me] Fisch tot, Klappe zu? Warum ein Wels in Deutschland zurzeit viel Aufmerksamkeit auf sich zieht

<p>[Media and Me] Fisch tot, Klappe zu? Warum ein Wels in Deutschland zurzeit viel Aufmerksamkeit auf sich zieht</p>
Illustrationsfoto: picture alliance/dpa

Dass es während des Sommerlochs in den Medien häufiger tierisch zugeht, ist spätestens seit dem vermeintlichen „Löwen von Berlin“ nichts Neues. Dass die Meinungen der Medien über das Problemtier so weit auseinander gehen, ist dennoch ungewöhnlich. So war der Wels aus dem Brombachsee, der mehrere Schwimmer attackierte, für die „Taz“ in Wirklichkeit ein „treusorgender alleinerziehender Vater“, der lediglich seine Brut verteidigen wollte, die „Bild“ spricht dagegen vom „Schreckensfisch“, der arglose Gäste angriff.

Zu den unterschiedlichen Beurteilungen tragen auch die rätselhafte Todesumstände des Fisches bei. War in den ersten Meldungen noch davon die Rede, dass die Polizei das gut zwei Meter lange Tier durch gezielte Pistolenschüsse getötet hatte, soll nach neueren Erkenntnissen das Tier durch die Schüsse nur benommen gewesen sein. Später hätten dann Angler den Waller gefangen und erlegt, wie die Polizei nun mitteilte.

Das Vorgehen der Behörden ruft dabei Tierschützer auf den Plan. Sie bemängeln, dass das Tier unnötig leiden musste und der Laichplatz des Tieres nicht gesperrt worden war. Welse gelten als menschenscheu, verhalten sich aber aggressiv, wenn sie ihr Gelege bedroht sehen. Da der Fisch aber über keine Zähne im eigentlichen Sinn verfügt, geht von ihm für den Menschen aber keine größere Gefahr aus. Mittlerweile ermittelt auch die Justiz in dem Fall. Sie untersuchen, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt. Zuvor hatte die Tierschutzorganisation Peta Anzeige erstattet.

In den sozialen Netzwerken wird der Fall intensiv diskutiert, das Internet teilweise mit Kommentaren und Memes geflutet. Insbesondere der Umstand, dass das Tier anschließend in einem Strandrestaurant verspeist wurde, mutet für viele makaber an.

Auch der Klimawandel spielt in dem Fall eine zentrale Rolle. Durch die zunehmenden Hitzeperioden nehmen die Wasserstände ab – Welse und andere Fische sind dadurch gezwungen in flacheren Zonen zu laichen, beispielsweise unter Badeplattformen. Im Brombachsee wurde – auch nach der Attacke eines weiteren Welses – eine solche Schwimminsel aus dem Wasser gezogen und gesperrt. Jetzt wird der See mit einem Echolot nach weiteren Laichplätzen abgesucht.

Politisch wird der Tod des Tieres insbesondere von rechten Akteuren instrumentalisiert. Denn: Nur einen Tag nach den Schüssen auf den Wels, erstach eine 19-Jährige am See einen 15-Jährigen – möglicherweise aus rassistischen Gründen. Doch in den sozialen Netzwerken und in den Medien ging diese Tat angesichts der großen Welle an Wels-Nachrichten unter. Rechte Accounts instrumentalisieren in diesem Zusammenhang nun den Fisch. Dadurch, dass das Tier von der Tat ablenke, hätte er „mehr für die rechte Bewegung geleistet als wir alle zusammen“, ist auf einem Account auf X zu lesen.

Was vom Brombachsee-Wels bleibt, ist ein toter Fisch, viele offene Fragen – und ein Thema, dass deutlich weniger trivial ist, als es zunächst scheint.


Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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