Springbrunnen bieten nicht nur etwas fürs Auge, an heißen Sommertagen versprechen sie auch Abkühlung. Im Titelsong des Ende Juni erschienenen Albums „Springbrunnen“ träumt die Sängerin von einem solchen Badespaß – gemeinsam mit nackten Milliardären. Als werfe dieses Bild nicht genug Fragen auf, zeigt das Cover noch dazu keinen gewöhnlichen Springbrunnen, sondern eine Ölquelle. Mehrdeutigkeit ist eines der zentralen Mittel der Songwriterin Dorothea Kehr, deren Spitzname Dota inzwischen stellvertretend für sie und ihre vierköpfige Band steht. Seit über 20 Jahren ist die Musikerin aktiv, wobei sie in fast jedem dieser Jahre ein Album veröffentlichte. Ihre Produktivität scheint keine Grenzen zu kennen: Das neueste Album kommt in der Luxusausgabe gar mit drei randvollen Tonträgern daher. Ab Herbst geht sie damit auf Tour, füllt große Clubs von Wien bis Kiel.
Erfolgreich ist die Berlinerin also durchaus, wenngleich die großen Rundfunkanstalten sie eher in die Nische verbannen: Mit deutschen Texten, die weit über die üblichen Beziehungssongs hinausgehen, wird es im Radio schwierig – und ohne großes Management im Rücken erst recht. Die Band ist vollkommen autonom organisiert – um alles kümmern sich die Musiker selbst, sogar um die Tourplanung. Ihre schon auf früheren Alben recht systemkritischen Texte passen da ins Bild. Wie aber kommt es nun zum Bad mit den nackten Milliardären? Eine klare Positionierung bleibt das Lied schuldig, führt aber weiter aus, man bade „mit diesem süßen Gefühl von ‚Jetzt ist doch eh schon egal‘“. Handelt es sich etwa um eine Resignation angesichts der Übermacht von Gestalten wie Elon Musk?
Das ist nur ein Teil des Gegenwartspanoramas, das auf „Springbrunnen“ gezeichnet wird. Andere Lieder handeln von der ehrlichen Hoffnung auf Frieden, von den Absurditäten sozialer Netzwerke, aber auch vom Lauf der Jahreszeiten oder einfach der Freude daran, Kettenkarussell zu fahren. DOTA lassen sich nicht auf eine Aussage oder ein Thema festlegen – ebenso wenig, wie man ihren Musikstil in eine Schublade stecken kann. Nach mehreren eher akustischen Alben, zuletzt live mit dem Babelsberger Filmorchester, ist diese Platte von facettenreichen elektronischen Klängen geprägt. In der Bandbesetzung mit Gitarren, Schlagzeug, Keyboards und Bass treten DOTA am 16. Dezember 2025 im Aachener Musikbunker auf. Der Vorverkauf läuft bereits.
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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