Tour schon auf Hochtouren: Erster Schlagabtausch zwischen den Favoriten

<p>Mathieu van der Poel setzte sich am Sonntag gegen Tadej Pogacar durch und übernimmt das Gelbe Trikot.</p>
Mathieu van der Poel setzte sich am Sonntag gegen Tadej Pogacar durch und übernimmt das Gelbe Trikot. | Foto: belga

Tadej Pogacar flog am Hinterrad von Mathieu van der Poel die Zielgerade hinauf, doch im Duell der beiden besten Radprofis der Welt reichte es für den Superstar noch nicht für die Rückkehr ins Gelbe Trikot. Schon am zweiten Tag der Tour der France hat der Titelverteidiger den Turbo gezündet und nur hauchdünn seinen 100. Profisieg verpasst.

„Ich war so motiviert. Mein erster Etappensieg lag vier Jahre zurück“, sagte van der Poel, der sich mit Pogacar in den Frühjahrsklassikern schon legendär duelliert hatte. Am Sonntag löste der Niederländer seinen Alpecin-Deceuninck-Teamkollegen Jasper Philipsen, der die erste Etappe gewonnen hatte, in Gelb ab. „Es ist sehr schön, das Trikot wenigstens einen Tag tragen zu dürfen. Wir werden das natürlich genießen“, hatte Philipsen noch vor dem Start in den zweiten Tag erklärt. Auf dem siebten Platz bleibt der Sprinter auch nach dem zweiten Tag der beste Belgier bei der Tour.

Alles, was jetzt kommt, ist ein Bonus“, so Mathieu van der Poel.

„Es wurde Zeit, dass ich meine zweite Tour-Etappe gewinne. Es ist ein Traum für das Team mit den Gelben Trikots an den ersten beiden Tagen. Alles, was jetzt kommt, ist ein Bonus“, sagte van der Poel. Für seine Mannschaft sei die Frankreich-Rundfahrt demnach schon jetzt ein Erfolg. „Die Anstiege waren schwieriger als erwartet, und das Tempo war sehr hoch. Oben auf dem vorletzten Anstieg waren wir nur noch etwa acht Fahrer. Es war erneut ein sehr harter und nervöser Tag“, so der Niederländer weiter. Für möglich gehalten hatte er bis wenige Meter vor der Ziellinie auch einen erneuten Erfolg von Philipsen, der seine Fahrt im Gelben Trikot somit um 24 Stunden verlängert hätte. „Vor allem aufgrund des Gegenwindes beim letzten Anstieg dachte, ich dass auch er eine Chance gehabt hätte. Insgesamt war es aber alles schwerer als gedacht.“

Wie bei Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix hatte Pogacar das Nachsehen, diesmal sehr knapp – doch das kann der Slowene verschmerzen. Anders als für van der Poel beginnt die Tour des dreimaligen Siegers erst in den Bergen so richtig. Auf der steilen Rampe ins Ziel zeigte er sich aber in blendender Verfassung, sein dänischer Rivale Jonas Vingegaard wurde Dritter. In der Gesamtwertung führt van der Poel mit vier Sekunden Vorsprung auf Pogacar, Vingegaard (+6) liegt auf Platz drei.

Strömender Regen beim Start in Lauwin-Planque, später Wind und ein tückisches Streckenprofil mit mehr als 2.000 Höhenmetern machten den Fahrern zu schaffen. Schon der Start musste wegen des schlechten Wetters um 15 Minuten verschoben werden, die Teams hatten bei der chaotischen Anreise im Stau gestanden. Immer wieder kam es auf dem Weg nach Boulogne-sur-Mer zu kleineren Stürzen. So traf es auch Lennert Van Eetvelt – der auf eine gute Platzierung im Gesamtklassement hoffende Profi im Dienste von Lotto verlor fast acht Minuten.

Foto: Photo News

Bei einer der längsten Etappen der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt war neben dem mit nun zwei Etappensiegen ausgestatteten Alpecin-Deceunick auch Intermarché-Wanty für die Verfolgung der Ausreißergruppen zuständig gewesen: Sie hielten den Abstand permanent bei rund drei Minuten, ehe sie die geflüchtete Gruppe um Brent Van Moer knapp 50 Kilometer vor dem Ziel stellte. „Insgesamt hat das Team viel besser zusammengearbeitet“, berichtete am Abend etwa Laurenz Rex in einem Videotagebuch bei „Instagram“.

Das packende Finale hatte der Deutsche Jungstar Lipowitz mit einer mutigen Attacke eröffnet und war mit rund 30 Metern Vorsprung in den letzten Kilometer gegangen. Kurz zuvor war es schon beim letzten Anstieg des Tages auf der Côte d’Outreau mit einer Attacke von Jonas Vingegaard spektakulär geworden – die Tour ist jedenfalls jetzt schon auf Hochtouren.

Nach viel Wind am Samstag und reichlich Regen am Sonntag, wird es auch in den kommenden Tagen rau zugehen, zunächst heute auf der dritten Etappe über 178,3 km von Valenciennes nach Dünkirchen an der Kanalküste. Für die Klassementfahrer wird es am Mittwoch beim Einzelzeitfahren in Caen erstmals ernst, dann dürfte Remco Evenepoel zu den Topfavoriten auf den Tagessieg gehören. (mn/belga/sid)

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