Peru ist eines der traditionsreichsten Länder Südamerikas. Die Geschichte des Landes ist bewegt und von extremen Einflüssen geprägt. Zurückgeblieben sind stumme Zeugen einer jahrtausendealten Vergangenheit, die mit der Einwanderung asiatischer Siedler aus der Mongolei vor 40.000 Jahren begann. Das Wort „Inka“ bedeutet „Herrscher“ und bezeichnet nur die herrschende Schicht zwischen 1200 bis 1572 nach Christus.
Dieses Video zeigt verschiedene Impressionen der GrenzEcho-Leserreise
Mit dem Einfall der Spanier endete das gewaltige Reich dieser Kaste. Simon Bolivar und Antonio José de Sucre vertrieben die Spanier, und im Jahre 1821 erklärte Peru seine Unabhängigkeit, die aber erst 1879 von Spanien anerkannt wurde. Danach folgten zahlreiche Auseinandersetzungen und Kriege mit den Nachbarländern. Die seit Anfang der 1990er Jahre stabile politische Lage hat unter anderem dazu beigetragen, dass Peru sich der Welt hat öffnen können. Doch Korruption überschattet das Land. Drei Präsidenten sitzen aus diesem Grund noch im Gefängnis.

Die Sehenswürdigkeiten Perus sind unvergleichbar und einmalig. Die Pracht der Inka-Kultur lässt sich zwar nur noch erahnen, weil die Spanier während ihres fast dreihundertjährigen Aufenthalts beinahe alles geplündert haben. Die verbleibenden Überreste, wie die mächtigen Tempelanlagen und Festungen, erfordern aber nur ein Minimum an Vorstellungskraft, um sich ein Bild von dem ehemals mächtigsten Reich der Erde zu machen. Die Spanier haben ihrerseits ein kulturelles Erbe von blendender Pracht hinterlassen. Insbesondere in Kirchen und Palästen ist der Glanz der Conquistadores erhalten geblieben.

Ausgangspunkt für die Reise der 29 Ostbelgier ist Lima. Die Hauptstadt Perus ist, wie viele Metropolen dieser Welt, eine unkontrolliert wachsende Megastadt mit 11 bis 12 Millionen Einwohnern (1940 waren es etwa 600.000). Konstant nimmt die Bevölkerung durch die Zuwanderung von Menschen aus den Bergregionen, auf der Flucht vor Armut und Arbeitslosigkeit, zu. Ringförmig wird die Stadt durch die sogenannten „Pueblos nueves“ (neue Dörfer) umschlossen. Die Bezeichnung ist jedoch beschönigend, denn die Menschen leben in einfachen Behausungen, teils ohne befestigte Straßen, ohne Strom und haben nur drei Stunden pro Tag Zugang zu Frischwasser. Doch sie haben Arbeit, sie und ihre Familien sind versichert und sie haben ein Dach über dem Kopf. Daher wird den Touristen vermittelt, dass diese Menschen nicht arm sind.

1991 wurde die Altstadt Limas zum Kulturerbe der Menschheit erklärt, nachdem das von einem Erdbeben im Jahre 1970 erschütterte Zentrum wieder aufgebaut wurde. 1996 wurde die Plaza de Armas mit der Kathedrale und dem Präsidentenpalast herausgeputzt und kommt heute touristenfreundlich daher.

Im Museum Larco Herrera kann der Besucher die Fundstücke der Ausgrabungen bestaunen. Unzählige Grabbeigaben, Totenmasken, Schmuck der Inkas und viele weitere Objekte sowie Kleidungsstücke, werden anschaulich präsentiert und erklärt. Ebenso sehenswert, wenn auch ein wenig schauderhaft, ist die Ausstellung des nahegelegenen Regionalmuseums in Ica. Neben Gegenständen, die ähnlich auch in Lima Bestandteil der Sammlung sind, sind in Ica nicht nur echte Mumien, sondern auch – zur Inka-Zeit mit Absicht – deformierte Schädel zu sehen. Die „Technik“, die bei Besuchern heutzutage Entsetzen hervorruft, galt bei den adligen Inkas als Schönheitsmerkmal und Statussymbol.
Klein und fein, aber in Peru einzigartig, ist die inmitten hoher Dünen gelegene Oase Huacachina. Ein winziger Ort mit einem durch Grundwasser gespeisten und mit Palmen gesäumten See, der zum Flanieren einlädt.
„La ciudad blanca“ & „El cóndor pasa“
Weltweit bekannt war Peru einst für den Abbau von Guano auf den Ballestas Inseln. Heutzutage ist der Abbau von dem auch in Europa beliebten Vogelkot wegen der gesundheitlichen Risiken (Ammoniak), die bei der Verarbeitung entstehen, nur noch ein winziger Geschäftszweig. Aufgrund der Vogelvielfalt, der Pinguine, Robben und Delfine, lohnt sich eine Bootsfahrt zu den Inseln dennoch.
Am Fuße der Vulkane Misti, Nevado Chachani sowie Pichu Pichu, und wesentlich attraktiver ist Arequipa, mit 1,1 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Perus. Die mit hellem Tuffstein gebauten Häuser brachten Arequipa den Beinamen „weiße Stadt“ ein. Nicht ohne Stolz bezeichnen die Einwohner ihren Zentralplatz als den schönsten Südamerikas. Die 85 Meter breite Fassade der Kathedrale begrenzt diesen Platz auf der vollen Breite. Die Kirchenorgel, die zu den größten Südamerikas zählt, stammt übrigens aus Belgien. Vom Aussichtspunkt Yanahuara, wo die Ostbelgier kurz einer Hochzeit beiwohnen konnten, hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt sowie die nahe liegenden Vulkane.
Das Kloster Santa Catalina in Arequipa, ist eine Stadt in der Stadt und war ein Refugium für bis zu 150 Dominikaner-Nonnen, die sich von 300 Mägden bedienen ließen. Rund 300 Jahre lang blieb das Leben hinter den dicken Mauern der Anlage der Öffentlichkeit verborgen.

Heute leben noch etwa 20 Ordensschwestern in einem neuen Trakt, während die alten Gebäude der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurden.
Über die Inter-Oceanic-Straße, auf der täglich hunderte Lkw Kupfer und Treibstoffe von und zu den Minen bringen, geht es über eine 490.000 km² große Hochebene mit einer Passhöhe von 4.910 m ins Colca-Tal. Auf skurrile Mondlandschaften vor schneebedeckten Berggipfeln folgen atemberaubend schöne und tiefe Schluchten. Im Colca-Tal liegen auf einer Länge von 110 km herrliche hängende Gärten und fruchtbare Terrassen, die einst von den Inkas angelegt und bewirtschaftet wurden.
Das harte Leben der Urus vom Titicacasee
Im gleichnamigen Colca Canyon ist einer der weltweit größten Neuweltgeier beheimatet: der Andenkondor. Mit einem maximalen Gewicht 15 kg und einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern gleiten die Vögel majestätisch durch die Schlucht und schrauben sich immer höher in den Himmel hinauf. Ein Ausflug, der zum Innehalten einlädt und bei den zahlreichen Zuschauern stille Bewunderung erweckt.
Auf dem Weg zur 130.000 Einwohner zählenden Stadt Puno am Titicacasee befindet sich eine der gut erhaltenen Grabstätten der Inkas. Die bis zu 12 m hohen Mausoleen von Sillustani, in der Quetchua-Sprache Chullpas genannt, liegen hoch auf einem Hügel am Ufer der Umayo-Lagune und wie alle Bauten der Inka wurden auch diese Grabtürme aus exakt behauenen Steinen errichtet. Hier fanden nur in dieser Region angesiedelte Adlige jener Zeit ihre letzte Ruhestätte. In 3.812 Metern Höhe erstreckt sich zwischen Peru und Bolivien über 8.372 km² (3,5-mal größer als Luxemburg) eine Wasserfläche, die so reizvoll und ungewöhnlich ist wie ihr Name, allerdings durch die Abwässer aus Puno extrem verschmutzt. Auf den Inseln im Titicacasee leben noch Urus, die das entbehrungsreiche Leben in Kauf nehmen. Nur 30 Prozent dieser Ureinwohner sind im Besitz offizieller Papiere, und oftmals wissen sie gar nicht, wann sie geboren wurden. Zudem ist der Preis für dieses Leben hoch. Die konstante Feuchtigkeit führt dazu, dass viele Menschen krank werden und nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung 55 Jahre oder älter wird. Die Inseln der „Seemenschen“ sind rund zwei Meter dicke Schilfplateaus (zzgl. zwei Meter Wurzelwerk), auf denen Schilfhütten als Wohnung dienen und in denen auf zirka 15 Quadratmetern sechsköpfige Familien leben. Der Verkauf von „Land“ ist verboten, Einnahmen aus verkauftem Fisch oder Bootsfahrten fließen in eine Gemeinschaftskasse, Strom wird über Solarzellen gewonnen, aber Wasserleitungen gibt es ebenso wenig wie eine Polizeistation. Am Boden der Insel „Suma Kurmi“, die die Reisegruppe besucht hat, sitzen Frauen und Kinder mit ihren Handarbeiten, über deren Preis gefeilscht wird. Am Ende sind alle zufrieden: Die Urus haben ihre Kasse aufgebessert, die Touristen ein Schnäppchen gemacht.
Weniger besucht, aber ebenso bedeutend sind die gut erhaltenen Ruinen von Raqchi. Auf einer 100 mal 25 Meter großen Fläche auf 3.500 Metern Höhe haben die Inkas eine ungewöhnliche Tempelanlage mit Wohnhäusern und Lagersilos errichtet.

Die spanischen Eroberer hingegen errichteten unzählige Kirchen. Einer dieser Sakralbauten steht in dem winzigen Dorf Andahuaylillas. Die als sixtinische Kapelle Amerikas bezeichnete und von außen unscheinbare San Pedro-Kirche im Barockstil beherbergt viele Kunstwerke, Silber und unzählige, vergoldete Elemente, die jeden Besucher beeindrucken. Auf dem Weg zur Inka-Hauptstadt Cusco besuchen die Ostbelgier die nicht minder eindrucksvolle Inka-Festung Ollantaytambo im heiligen Tal des Urubamba. Sie thront wie ein Adlernest über steile Terrassen am Berg. Die kleine Ortschaft am Fuße des Berges hat sich den ursprünglichen dörflichen Charakter erhalten.
Cusco, in Quetchua „Qosqo“ (Zentrum), war einst die Hauptstadt des Inka-Imperiums und damit der „Nabel der Welt“, so mächtig und noch reicher als das alte Rom. Die alten Inka-Mauern konnten auch die schweren Erdbeben (1650, 1950 und 1986) nicht erschüttern, während die Kolonialbauten in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Hauptplatz mit der Kathedrale ist Ausgangspunkt zum Bummel durch die von dort abzweigenden Gassen mit zahlreichen kleineren Palästen und Museen. Eindrucksvoll sind besonders die erhaltenen Grundmauern der Inka-Festungen mitten in der Stadt, auf deren Fundamenten die Spanier in der Kolonialzeit ihre neuen Häuser, Kirchen und Paläste bauten. Außerhalb der Stadt liegt eine der mächtigsten Festungen der Inkas: Saqsaywaman. 20.000 bis 40.000 Mann sollen 50 Jahre lang gebaut haben. Ein 9 mal 4 Meter großer und 350 Tonnen wiegender Zyklopenstein ist der größte unter den Tausenden von Steinen, die dorthin bewegt werden mussten. Diese sind so zusammengefügt, dass in die Ritzen nicht einmal eine Rasierklinge hineinpasst.
Geheimnis um Machu Picchu bis heute nicht gelüftet
Wenn der Zug im Dorf am Fuße des Machu Picchu ankommt, kann niemand erkennen, dass oben auf dem Gipfel eines Berges das bedeutendste Kulturerbe der Inka-Zeit verborgen liegt. Machu Picchu ist versteckt wie ein Schatz, und es verwundert daher nicht, dass die spanischen Eroberer auf der gierigen Suche nach Gold diesen Ort nie gefunden haben. Nach der Entdeckung durch den Amerikaner Hiram Bingham im Jahr 1911 haben Untersuchungen ergeben, dass die Stadt innerhalb eines Jahrhunderts gebaut, bewohnt und wieder verlassen wurde. Da die Inkas über keine Geschichtsschreibung verfügten und die Spanier keinerlei Kenntnis von dem Bestehen dieses Ortes hatten, wird das Rätsel um dessen Bestimmung vielleicht nie gelöst werden. Der gesamte Komplex ist rund 1.000 Meter lang und 500 Meter breit und in 14 Stadtsektoren (Palast, Wohnviertel, Handwerker, Speicher,...) unterteilt. Die Gebäude und Paläste sind mit rund 100 Treppen verbunden, und die Stadtanlage ist von Terrassenhängen umgeben.
Die autarke Stadt wurde an einem strategischen, für jeden Feind unerreichbaren Punkt, errichtet. Zahlreiche Symbole aus der Inka-Religion sowie die Lage im „heiligen Tal“ Urubamba deuten darauf hin, dass Machu Picchu eine „heilige Stadt“ und astronomische Station gewesen ist.
Erst 1948 wurde eine Stahlhängebrücke über den Urubamba-Fluss angelegt und der acht Kilometer lange Serpentinenweg bis zum Gipfel des Berges eröffnet. Die peruanische Regierung gründete erst 1981 den „Historischen Park von Machu Picchu“, stellte ihn unter Naturschutz und leitete damit eine Invasion von Touristen ein. 1983 erhob die Unesco das schönste und rätselhafte Zeugnis der Inka-Zeit zum Weltkulturerbe der Menschheit. Um Verfall und teils auch Zerstörung (durch Touristen) Einhalt zu gebieten, gibt es Pläne, die sagenumwobene Stätte in naher Zukunft nur noch von einem einzigen Aussichtspunkt, der nur per Seilbahn erreicht werden kann, bewundern zu können.
Zum Abschluss der Reise geht es am frühen Morgen hoch hinaus. Der über 5.000 m liegende Regenbogenberg, der innerhalb von vier Stunden ab Cusco zu erreichen ist, war bis 2013 ständig mit Schnee bedeckt. Seither ist der „Rainbow Mountain“, dessen Farben aus 14 verschiedenen Mineralien bestehen, eine der neueren Touristenattraktionen. Nach einer leichten Wanderung bietet sich den Besuchern ein herrlicher Blick auf die bunten, parallel verlaufenden Streifen des Berges. „So ein schönes Naturschauspiel habe ich noch nie gesehen“, so ein Gast der ostbelgischen Gruppe.




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