Neue App hilft Krebspatieten - auch in der DG

Die kostenlose „YES“-App ermöglicht es Krebspatienten, schnell und unkompliziert Kontakt zu anderen Betroffenen aufzunehmen.
Die kostenlose „YES“-App ermöglicht es Krebspatienten, schnell und unkompliziert Kontakt zu anderen Betroffenen aufzunehmen. | Illustrationsfoto: dpa

Alexandra von Korffs Wunsch ist eigentlich selbstverständlich. „Ich möchte mir meine Freunde selbst aussuchen“, sagt sie. Und neue Freunde hatte die Mittvierzigerin dringend nötig, denn die Diagnose war „Brustkrebs“. Und das Thema „Krebs“ ist nach wie vor ein Tabuthema. Die gesunden Freunde wissen oft nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. „Wie gehst du denn mit ‚deiner Situation’ um?“, musste sich die Kölnerin anhören und lacht laut. Hier waren Freundschaften nötig, mit Frauen, die selbst gegen die Krankheit ankämpfen. Eine klassische Selbsthilfegruppe war für die temperamentvolle Frau kein Thema, denn dort kommen zufällig Menschen vorbei, die die Krankheit eint und wo die Chemie nicht zwangsläufig stimmen muss. Alexandra von Korff wollte Freundinnen.

Jörg Hoppe, dem einen oder anderen bekannt als Manager der Band Extrabreit, ging es nicht anders und er hat die „YES“-App von „Yeswecan!cer“ auf den Markt gebracht. Nachdem einige rechtliche Fragen geklärt waren, kann sie nun auch in Ostbelgien sowohl bei Apple als auch im Play-Store heruntergeladen werden. Denn mit Handyapps ist es wie mit den Mediatheken, sie sind ländergebunden.

Die App funktioniert im Prinzip wie eine Dating-App. Man lernt Leute kennen, kann mit ihnen chatten, nachfragen, wie andere das Leben mit der Krankheit organisieren etc. „Wir wollen einen modernen Zugang zur Krankheit schaffen“, sagt André Schlegel, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Die App bietet auch medizinischen Rat von Onkologen.

Vor allem will man das Thema aus der Tabuzone herausholen. Alexandra von Korff und er präsentieren sich auch im „Yes-we-Cancer“-Shirt. Seine Chatpartner sucht man sich nicht in erster Linie nach Augenfarbe oder kulinarischen Vorlieben aus, sondern nach Neuerkrankung, Streuung oder Zurückkommen der Krankheit. Da gerade Krebs auch ein Tummelfeld für zweifelhafte „Heiler“ ist, die sich einbilden, mit homoöpathischen Zuckerkügelchen oder gar „neuer Germanischer Medizin“ der Krankheit beizukommen, gibt es einen medizinischen Beirat aus ausgewiesenen Onkologen und anderen Ärzten, die nach dem Stand der Wissenschaft beraten und gegebenenfalls eingreifen.

Der Bedarf für menschliche Hilfe bei Krebs ist natürlich auch in Ostbelgien vorhanden. Minister Antonios Antoniadis (SP) wies darauf hin, dass in der DG 280 Menschen und in Belgien 67.000 jedes Jahr an Krebs erkranken. Inzwischen sei es für viele dank geringer werdender Sterblichkeitsraten auch ein Leben mit Krebs geworden, wobei diese App helfen könne.

Alexandra von Korff, die auch über ihr Leben mit Krebs in einem keinesfalls humorlosen Blog schreibt, hat jedenfalls ihre „Busenfreundinnen“ gefunden, wie sich die Gruppe selbstironisch nennt. Als zweite Initiative stellten Jacqueline Jost und Adrienne Leffin den „Lauf für das Leben“ vor, der am 29. und 30. Juni zum ersten Mal in Ostbelgien an der Leichtathletikpiste des Kmile am Schönfelder Weg in Eupen stattfindet. In den anderen Landesteilen ist es unter „Levensloop“ / „Realis pour la vie“ schon eine feste und bekannte Institution wie in 29 anderen Ländern.

Während 24 Stunden erlaufen die Kämpfer eine Summe, die dem Kampf gegen Krebs zugute kommt. Der Großteil geht an die Wissenschaft, doch ein kleinerer Teil bleibt in der Region und kommt Institutionen zugute, die Krebskranken vor Ort helfen.

Ausgiebiges Rahmenprogramm beim „Lauf für das Leben“ am 29. und 30. Juni.

Die Hauptpersonen allerdings werden beim Lauf für das Leben die „Kämpfer“ sein, diejenigen, die selbst Krebs haben. Aber es wird nicht nur gelaufen, sondern auch gefeiert, getrunken und gegessen. Viele bekannte Bands, Musikvereine, Clowns, Theatergruppen und kulinarische Angebote werden dort vertreten sein. Denn so wichtig Operationen, Chemotherapie und co. auch sind, der Humor und die Freude am Leben und das zwanglose Zusammenkommen von Kranken und Gesunden sind zweifellos auch entscheidende Hilfen im Kampf gegen die tückische Krankheit.

Die App ist erhältlich über Google-Play und Apple

Alexandra von Korff: kick-cancer-chick.com

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